Kultur : Buch der Liebe

Rolle des Lebens: In „The Door in the Floor“ spielt Jeff Bridges einen charismatischen Schriftsteller

Frank Noack

Wenn das Jahr zuende geht, werden Oscar-Freaks aktiv. Das sind Filmfans, die fieberhaft jeden der in den USA vergebenen Kritikerpreise registrieren. Und das sind nicht wenige. Mittlerweile gibt es den Florida Film Critics Award, Las Vegas Film Critics Award, Southeastern Film Critics Award. Man kann über solche Preise spotten – als Prognose für die Oscar-Nominierungen sind sie wertvoll.

Ein Name, der in den nächsten Monaten garantiert auf verschiedenen Best-Listen auftauchen wird, ist der von Jeff Bridges. Dieser Schauspieler hat das Pech, zuverlässig zu sein. Er protzt nicht, chargiert nicht, er ist niemals peinlich. Deshalb wird er unterschätzt. Drei seiner vier Oscar-Nominierungen erhielt er als Nebendarsteller. Jetzt ist er endlich in einem Film zu sehen, der seiner stillen Größe gerecht wird.

Für Tod Williams’ „The Door in the Floor – Die Tür der Versuchung“ wurde das erste Drittel von John Irvings Bestseller „Witwe für ein Jahr“ adaptiert. Bridges verkörpert den Kinderbuchautor und -illustrator Ted Cole, der (anders als Irving) dünne Bücher mit maximal 500 Seiten verfasst. Cole lädt den Literaturstudenten Eddie (Jon Foster) zu sich nach Long Island ein, angeblich weil er einen Lektor benötigt. Tatsächlich soll Eddie Teds depressiver Frau Marion (Kim Basinger) Gesellschaft leisten. Von ihr lernt Eddie Liebes-, von Ted ein paar Schreibtechniken. Zuletzt ist dem Jungen das Schreiben wichtiger als die Frau.

Eddies erwachende Sexualität und das wiedererweckte Leben in Marion sorgen für aufregende Filmminuten, während Ted eigentlich nur als ironisch-distanzierter Beobachter danebensteht. Dennoch bleibt er das Zentrum des Films. Ted trinkt etwas mehr, als er sollte. Sein Alkoholismus wird von Bridges ohne die geringste Theatralik vermittelt.

„The Door in the Floor“ ist ein zärtlicher, komischer, trauriger Film über das Schreiben. Nur schade, dass die Frauenfiguren schlecht wegkommen. Der 54-jährige Jeff Bridges darf im Adamskostüm eine gute Figur machen – Ted schreibt bevorzugt nackt – , während Mimi Rodgers die peinlichste Nacktszene seit Isabella Rossellini in „Blue Velvet“ abverlangt wird. Sie spielt eine humorlos-hysterische Ex-Geliebte von Ted, die nur noch als Modell für demütigende Aktzeichnungen gebraucht wird. Der Gipfel ist erreicht, als die Aktzeichnungen durch die ganze Nachbarschaft fliegen.

Die anderen Frauen? Marion ist wehleidig, und ihre altkluge Tochter wird von einem lolitahaft-nymphomanen Kindermädchen betreut, auf das keiner der Männer Lust hat. „The Door in the Floor“ ist ein Film mit begrenzt männlicher Perspektive. Doch da er von einem Meister-Lehrling-Verhältnis handelt, kann man ihm das schlecht vorwerfen.

In Berlin in den Kinos Cinemaxx Potsdamer Platz, Filmkunst 66, Kino in der Kulturbrauerei, Odeon (OmU)

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