Kultur : Buch & Such

Der Börsenverein freut sich – und hat Sorgen

Jörg Plath

Zufrieden mit den Geschäften des letzten Jahres und besorgt angesichts der kulturpolitischen Aussichten für das laufende zeigte sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels gestern auf seiner erstmals in Berlin stattfindenden Jahrespressekonferenz. Vier Jahre lang war der Umsatz der Buchbranche gesunken, 2005 stieg er wieder: um 0,9 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro, wie sich Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder freut. Der Versandbuchhandel hat dank des Onlinegeschäfts deutlich zugelegt (plus 13,7 Prozent auf 633 Millionen Euro), doch mehr als die Hälfte aller Bücher werden immer noch in Buchhandlungen verkauft (minus 0,9 Prozent auf 5,02 Milliarden Euro). Buchhandelsketten sind auf dem Vormarsch, die Zahl der mittelgroßen Buchhandlungen nimmt ab. Die Umsätze der deutschen Verlage stiegen um 1,9 Prozent, weil sie mehr Lizenzen ins Ausland verkaufen konnten, vor allem nach Polen und Tschechien. Begehrt ist neben der Kinder- und Jugendliteratur auch die Belletristik hiesiger Autoren.

Die Freude ist allerdings getrübt. Das geplante neue Urheberrecht „gefährdet Bildung und Wissenschaft“, so Honnefelder. Der Staat versuche, „Ausgaben im öffentlichen Bildungs- und Forschungssystem einzusparen“. Börsenverein-Geschäftsführer Alexander Skipis spricht sogar von „enteignungsgleichen Eingriffen“, wenn Bibliotheken und Archive Bücher, die sie nicht in gedruckter Form vorrätig haben müssen, digitalisieren und an beliebig vielen Bildschirmen zugänglich machen dürfen. Um Urheberrechte geht es auch bei den Klagen deutscher Verlage gegen die Praxis von Google Book Search, Bücher für die Onlinebibliothek einzuscannen. Unabhängig davon soll die vom Börsenverein geplante eigene digitale Volltextsuche mit Google und einer künftigen europäischen digitalen Bibliothek kooperieren.

Schließlich reagiert der Börsenverein auch auf den fortschreitenden Konzentrationsprozess, seit Marktführer Thalia Ende 2005 von Verlagen Geld für die Eröffnung und Renovierung der Thalia-Filialen forderte. Buchhändler, Verleger und Großhändler, so heißt es, sollen sich bis Dezember auf neue Wettbewerbsregeln einigen. All diese Themen werden heute und morgen auf den Buchhändlertagen in Berlin diskutiert.

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