Buch : Zeitreise durch die Architektur

In seinem neuen Buch über Potsdamer Baustile gibt Olaf Thiede einen architektonischen Überblick und stellt fest: Auch beim "sozialistischen Bauen" gibt es hin und wieder Akzeptables.

Klaus Büstrin

Über 300 Jahre städtisches Bauen hat der Potsdamer Maler Olaf Thiede ein Buch verfasst und im Eigenverlag herausgegeben. „Potsdamer Baustile“ nennt es der engagierte Künstler und Buchautor, der sich stets in die Architekturdebatte der Landeshauptstadt einmischt und somit seine Bürgerstimme unüberhörbar macht. Der berechtigte Wunsch, dass Architektur wie Musik sein solle, fordert er für Potsdam ein. Auch beim Bauen in unserem Jahrhundert.

Potsdam kann nunmehr auf stolze 1017 Jahre zurückblicken. An den einstigen Marktflecken und die Burg erinnert im Stadtbild nichts. Von Romanik und Gotik keine Spur. Neobaustile schon. Erst mit dem 18. Jahrhundert ist Potsdam zu der Stadt geworden, die Bewohner und Gäste so lieben. Heinrich Ludwig Manger stellte in seiner „Baugeschichte von Potsdam“ fest, dass „unter Kurfürst Friedrich Wilhelm des Großen Regierung schon mehrere Bauten von Wichtigkeit vorkamen, doch erst seit König Friedrich Wilhelms I. Zeiten, also ab 1713, werden sichtbare Spuren in Sachen Architektur bis heute hinterlassen.

In seinem Buch gibt Olaf Thiede einen Überblick über die Baustile, die man in Potsdam benutzte. Beginnend von der Barockzeit über die klassizistische Ära und dem Historismus wird besonders viel über das Bauen im 20. Jahrhundert berichtet, über ihre Qualität und ihre Sünden. In den zwanziger Jahren, so Olaf Thiede, konnte man an öffentlichen Bauten einen originellen Gestaltungswillen und große Experimentierfreude entdecken. Beim „sozialistischen Bauen“ stellte er hin und wieder Akzeptables fest und betrachtet deren Ergebnisse differenziert. Doch vor allem die Formenarmut jener Zeit prangert er unmissverständlich an. Nicht minder die heutige. So manche Einschätzung entspringt natürlich der individuellen Sicht des Autors. Aber recht hat er, wenn er davon spricht, dass die Architektur in Potsdam es schwer habe mit der nötigen emotionalen Qualität und Originalität. „Ein städtischer Lebensraum ist nicht zu verwechseln mit einem Industriegebiet. Die Stadtmitte darf nicht kurzsichtig für gewinnorientierte und gesichtslose Bauten geopfert werden.“

Und immer wieder kommt Thiede auf die Sichtachsen in der Stadt zu sprechen, die vor allem im 18. Jahrhundert ihre große Blütezeit erlebten. Die DDR nahm aber auf solche gestalterischen „Extravaganzen“ bei ihrer innerstädtischen Neugestaltung keine Rücksicht. Vor allem im Bereich der Breiten Straße ist dies bis heute zu sehen. Das Sichtachsen-Manko im Osten der Straße soll nun in den kommenden Jahren durch den Wiederaufbau des Stadtschlosses aufgehoben werden.

Eine Fleißarbeit der besonderen Art ist die Zusammenstellung der Baustile verschiedenster Gebäude anhand von Fotografien. Auf die bekannten Schlösser und Kirchen hat der Autor dabei verzichtet. Olaf Thiede hat, als er mit seinem Fahrrad durch die Stadt fuhr, selbst die Gebäude aus 300 Jahren Architekturgeschichte fotografiert. Leider ist er im Buch als Fotograf nicht benannt. Dabei macht er den Leser auch mit einer Unmenge baulicher unbekannter Details bekannt. Die architektonisch-fotografische Zeitreise, sie macht den Hauptanteil des Buches aus, hätte mit Sicherheit an Qualität gewonnen, wenn sie eine bessere Wiedergabe der Bilder und Gestaltung des Layouts erfahren hätte.

Olaf Thiede: Potsdamer Baustile – 300 Jahre städtisches Bauen, 18 Euro

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben