Kultur : Buchhandel sieht neue Chance für Kompromiss

Im Streit mit der EU-Kommission um die grenzübergreifende Buchpreisbindung sieht der deutsche Buchhandel nach einer Fristverlängerung eine neue Chance für eine Kompromisslösung. Morgen, Donnerstag, wird eine Delegation von deutschen und österreichischen Buchhandels und mehrerer Verlage in Brüssel erwartet. Da Wettbewerbskommissar Mario Monti neue Lösungsvorschläge gefordert hat, will der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seinem Sprecher Eugen Emmerling zufolge bei dem Gespräch mit EU-Kulturkommissarin Viviane Reding vor allem sondieren, in welche Richtung diese Vorschläge gehen sollten. Er sieht aber auch die Chance, inhaltlich über bereits vorgelegte Lösungsvorschläge zu reden. Der frühere Wettbewerbskommissar Karel van Miert habe diese nicht genügend gewürdigt. Dazu gehörten die Herausnahme eines Pakets von Büchern aus der Preisbindung, eine zeitliche Befristung der Festpreise und möglicherweise die Nachahmung des französisches Modells. Frankreich schützt sich durch Re-Importklauseln vor einer Unterwanderung des nationalen Preissystems. Kulturstaatsminister Michael Naumann, der Monti am Dienstag traf, erklärte, er wolle keine Vorhersage machen, wann man zu einer Lösung kommen werde. Die Weihnachtszeit, in der rund 30 Prozent des Buchumsatzes erzielt würden, sei ungeeignet für die Umsetzung einer Lösung. Zur Frage des Re-Imports von Büchern sagte der SPD-Politiker, die Kommission sehe es nicht gerne, wenn dadurch Preisbindungen unterwandert werden. Monti vertritt laut einem Gespräch mit dem "Handelsblatt" eine ebenso kritische Haltung gegenüber der Buchpreisbindung wie sein Vorgänger. "Wir müssen erkennen, wie das Funktionieren des Marktes der Entwicklung und der Verteilung von Kulturgütern hilft", sagte Monti. Er wies darauf hin, dass der Großhandel von den Verlagen Rabatte erhalte, diese aber bei dem Festpreissystem nicht weitergebe.

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