Kultur : Buchmarkt: Nach dem Terror: Nostradamus stürmt die Bestsellerlisten

Nach dem Terroranschlag auf das World Trade Center ist die Nachfrage nach Werken von Nostradamus in den New Yorker Buchläden sprunghaft gestiegen. Einem Bericht der "New York Times" zufolge gehören drei Nostradamus-Ausgaben, in denen der fanzösische Astrologe und Physiker im 16. Jahrhundert Ereignisse wie den Nationalsozialismus und die Explosion der Challenger voraussagte, derzeit zu den Top-Sellern des Online-Vetriebs Amazon. Auch bei der Buchladen-Kette "Barnes & Nobles" ist Nostradamus ausverkauft. Ähnlich wie in Deutschland ist außerdem die Nachfrage nach Büchern über den Islam, die Taliban, den Terroristen Osama Bin Laden und das World Trade Center gestiegen.

Im Internet gab es Hinweise darauf, Nostradamus habe die Katastrophe vom 11. September vorausgesagt. Dies trifft allerdings nicht zu. "Im neunten Monat des ersten Jahrs des neuen Jahrtausends wird vom Himmel ein König des Terrors kommen... zwei Zwillingstürme werden von dem Chaos auseinander gerissen... wenn die Stadt brennt, wird der dritte große Krieg beginnen." Diese Sätze stammen nicht, wie ein E-Mail-Rundbrief irrtümlich nahelegt, von Nostradamus, sondern aus einem 1999 erschienen Thriller von John S. Powell mit dem Titel "The Nostradamus Prophecy". Dorchester Press, Powells Verlag, hält es allerdings für geschmacklos, das Buch aus aktuellem Anlass neu aufzulegen.

"Ich hatte bereits am vergangenen Wochenende keinen einzigen Koran mehr auf Lager", berichtet auch der Geschäftsführer einer der größten Buchhandelsketten von Paris, der Fnac im belebten Stadtteil Montparnasse. Ähnliches Interesse riefen Nachschlagewerke zum Islam, aber auch Abhandlungen über den internationalen Terrorismus, Atlanten in Taschenbuchausgabe, geopolitische Werke und Sachbücher über Zukunftsszenarien des 21. Jahrhunderts hervor. "Es sieht so aus, als wollten sich die Franzosen in kürzester Zeit mit Informationen wappnen, um mit der unsicheren Situation besser umgehen zu können", berichtet der Fnac-Buchhändler.

Darüberhinaus bleibt abzuwarten, wie sich der überwältigende Absatz des drei Wochen vor den US-Attentaten publizierten Romans "Plateforme" von Michel Houellebecq weiterentwickelt. Gegen den französischen Autor liegen mehrere Klagen islamischer Organisationen vor, weil Houellebecq sich verschiedentlich kritisch geäußert hat und den Islam als die "bescheuertste Religion der Welt" bezeichnete. Sein Verlag Flammarion hüllt sich in Schweigen.

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