Buchmesse : Neuseeland wird Ehrengast 2012

Neuseeland ist vor allem für seine atemberaubende Landschaft bekannt. Das soll sich im nächsten Jahr ändern. In Frankfurt kann man schon in diesem Jahr einen ersten Eindruck von der Vielfalt neuseeländischer Literatur bekommen.

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Vorspiel zum Auftritt im nächsten Jahr. Die neuseeländische Musikerin Puawai Cairns bläst in Frankfurt/M. in eine Putatara, ein traditionelles Maori-Horn.
Vorspiel zum Auftritt im nächsten Jahr. Die neuseeländische Musikerin Puawai Cairns bläst in Frankfurt/M. in eine Putatara, ein...Foto: dpa

Neuseeland ist der mitteleuropäischen Zeit fast einen halben Tag voraus. „Bevor es bei euch hell wird“, darf man mit dem deutschen Motto des Ehrengasts der Frankfurter Buchmesse 2012 also behaupten, hat in diesem Doppelinselreich zwischen den Kontinenten und Kulturen die Zukunft schon begonnen. Auf Englisch, also in einer der drei Amtssprachen der früheren britischen Kolonie, heißt das: „While you were sleeping“. Und auf Maori: „He moemoea he ohorere“, wodurch die Bedeutung sicher noch einmal verschoben wird, wenn man dieser zweiten Amtssprache denn mächtig wäre. Und die dritte, die Gebärdensprache, lässt sich an dieser Stelle ohnehin schlecht darstellen.

Von Island zu Neuseeland: Das hat für die Buchmesse etwas von Inselhopping und ist doch alles andere als ein Katzensprung. Und zwar in vielerlei Hinsicht: Mit über vier Millionen Einwohnern ist Aotearoa, wie die Maori ihr „Land der langen weißen Wolke“ nennen, heute mehr als zehnmal so bevölkerungsreich wie Island. Literarisch handelt es sich indes um ein junges Land. Erst 1830 wurde dort das erste Buch gedruckt, 1843 der erste Gedichtband veröffentlicht und 1861 der erste Roman – fast hundert Jahre, nachdem Captain James Cook auf der ersten seiner drei Südseereisen in den Jahren 1768 bis 1771 Nord- und Südinsel umschifft und im Laufe eines halben Jahres kartografiert hatte.

Promis auf der Frankfurter Buchmesse 2011
Daniela Katzenberger hätte man auf der Frankfurter Buchmesse eigentlich nicht erwartet. Sie stellt ihr Erstlingswerk vor: "Sei dumm stell dich schlau".Alle Bilder anzeigen
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14.10.2011 16:52Daniela Katzenberger hätte man auf der Frankfurter Buchmesse eigentlich nicht erwartet. Sie stellt ihr Erstlingswerk vor: "Sei...

Neuseeland, und daran sind die Einheimischen selbst nicht ganz unschuldig, prunkt vor allem mit einer atemberaubenden Landschaft und dem Ruf einer Rugbynation. Was aber weiß man über die Literatur? Katherine Mansfield, die einzige weltberühmte Tochter des Landes, lebte mehr als die Hälfte ihres 34-jährigen Lebens in Europa. Und Janet Frame, die zu Unrecht psychiatrisierte Autorin des Romans „Ein Engel an meiner Tafel“, ist vor allem durch die Film-Trilogie von Jane Campion bekannt geworden. Ähnliches gilt für den bedeutenden Maori-Schriftsteller Witi Ihimaera, der in „Whalerider“ die „Geschichte vom Mädchen, das den Wal ritt“ erzählte: In Nikki Caros Kinoadaption wurde der Roman zum Welterfolg.

Die Frankfurter Buchmesse 2012 soll nun den kulturellen Reichtum des Landes, der Theater, Musik und Kino einschließt, in alle Welt tragen. Dorthin, wo einige Protagonisten längst sind – wobei ihre Herkunft einem Großteil des Publikums oft gar nicht bewusst ist. Zum Beispiel der Filmregisseur und Produzent Sir Peter Jackson („Heavenly Creatures“, „Herr der Ringe“), der nun in Frankfurt per Videobotschaft für Neuseeland wirbt. Auch Berlin ist Neuseeland verbunden: Mit C. K. Stead war gerade einer der renommiertesten Universal-Schriftsteller zu Gast beim Literaturfestival. Und dank der New Zealand Residency für Künstler und Autoren haben sich die Kontakte so verstetigt, dass die Schriftstellerin Sarah Quigley nun seit über zehn Jahren in Berlin lebt – und mit Kate Camp gerade die namhafteste Dichterin des Landes zu Gast ist, als Nachfolgerin von James McNeish, dem grand old man der neuseeländischen Literatur,.

In Frankfurt erlebt man die Organisatoren des bevorstehenden Messeauftritts unter der Leitung der charismatischen Tanea Heke mit großem Enthusiasmus. Ein Muschelhorn ruft zur Versammlung, erhebende Maorigesänge schallen durch den Raum, es wird deklamiert und getanzt, und man darf sicher sein, dass unter den rund 100 neuseeländischen Büchern, die bis zum nächsten Herbst übersetzt sein sollen, einige Entdeckungen zu finden sind. Bis dahin behilft man sich am besten mit dem zeitgenössischen Schlüsselwerk zur Lage Neuseelands: Keri Hulmes Roman „The Bone People“ von 1984, der auf Deutsch unter dem Titel „Unter dem Tagmond“ als Fischer-Taschenbuch erhältlich ist.

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