Buchpreis für Ruge : Deutscher Buchpreis geht an Eugen Ruge

In ihrer Eigenschaft als Jurymitglied des Deutschen Buchpreises 2011 fand die Fernsehjournalistin Christine Westermann fast alle Bücher auf der Shortlist „etwas mühsam“ zu lesen; insgesamt war ihr zu wenig von der Kategorie „anspruchsvolle Unterhaltungsliteratur“ dabei. Das jedenfalls verkündete sie offenherzig vor einigen Tagen in einem Radiointerview, wobei sie eine bemerkenswerte Ausnahme machte: Eugen Ruge mit seinem Roman „In Zeiten des abnehmenden Lichts“.

Mal abgesehen davon, dass es nicht eben feine Juroren-Art ist, solche Vorabeinschätzungen zu verbreiten, hat sich nun die gesamte sechsköpfige Jury für Eugen Ruges Roman als Deutschen Buchpreisgewinner entschieden. Für einen Roman, der die Geschichte einer Familie in der DDR von 1952 bis 2001 aus verschiedenen Perspektiven und über vier Generationen erzählt. Zum Beispiel aus der des strammen Kommunisten Wilhelm als Oberhaupt der Familie. Oder aus der seines schon leise an der DDR zweifelnden Sohnes Kurt, der Eugen Ruges Vater, dem DDR-Historiker Wolfgang Ruge, nachgebildet ist.

In der Begründung der Jury wird die „raffinierte Komposition“ des Romans genauso gelobt wie seine „starke Unterhaltsamkeit“ und sein „Sinn für Komik“. Was Eugen Ruges Roman aber vor allem gegenüber seinen beiden stärksten Konkurenten Sibylle Lewitscharoff („Blumenberg“) und Jan Brandt („Gegen die Welt“) auszeichnet: Er entfaltet das größere Zeit-Panorama. Er erzählt von einer ganzen Epoche – und dürfte damit tatsächlich ein sehr großes Publikum ansprechen, was ja ein erklärtes Ziel des Deutschen Buchpreises seit seiner Einführung im Jahr 2005 ist. Bei Lewitscharoff ist das mit der Hauptfigur ihres Romans, dem Philosophen Hans Blumenberg, nicht unbedingt gegeben. Und über die achtziger Jahre in der westdeutschen Provinz, wie bei Brandt, hat die jüngere deutschsprachige Gegenwartsliteratur schon reichlich viel erzählt. Gleichwohl sind gerade auch diese beiden Romane sehr unterhaltsam, zuweilen komisch – und sie lassen sich wunderbar leicht lesen. gbar

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