Kultur : Bücherpreise: Noch ein Oscar

Gregor Dotzauer

Alles im Leben, so wird ein Aphorismus von Deutschlands klügstem Fußballer Mario Basler überliefert, hat seine zwei Medaillen. Das war schon als Definition von Dialektik ziemlich klasse. Aber dass Basler damit auch einen Moment lang ins Herz der Bücherbranche treffen würde, hat ihm wohl niemand zugetraut. Ab nächstem Jahr sollte es in Deutschland zwei populäre Bücherpreise, möglichst mit Fernsehgala, geben: einen für deutschsprachige Literatur in Leipzig und einen für internationale in München - weil keine der beiden Städte im Gerangel um den Austragungsort des Bücher-Oscars weichen wollte. Inzwischen haben die Verlagshäuser Random House, Holtzbrinck und die Stiftung Ravensburger erklärt, dass sie sich an einer doppelten Vergabe finanziell nicht beteiligen werden, und der Frankfurter Börsenverein hat sich im Einvernehmen mit den Sponsoren für Leipzig entschieden.

Du sollst keinen Oscar neben mir haben, steht im Buch der Bücher. Oder wie es im Fantasyfilm aller Fantasyfilme heißt: Es kann nur einen geben. Wo der Highlander Recht hat, hat er Recht. Geteiltes Leid ist vielleicht halbes Leid. Geteilte Preise aber sind gar keine Preise - vor allem nicht aus der Perspektive derer, die das Geld locker machen. Das Zauberwort lautet uniqueness, und je mehr Klone und Look-alikes die Welt zu bevölkern scheinen, desto wichtiger wird der unique selling point. Nicht umsonst unterscheiden sich die Golden Globes vom Oscar - und der Büchnerpreis vom Booker Prize oder dem Prix Goncourt.

Wer zahlt, schafft an, und wer sich nicht rechtzeitig durchsetzt, hat das Nachsehen. Uwe H., 32, Ex-Freund von Estefania K., 21, hat sich in der "Bild-Zeitung" bitter darüber beklagt, seiner Steffi den Führerschein, mehrere Karibikurlaube und Fotoaufnahmen finanziert zu haben, wo sie doch jetzt zu Dieter B., 47, übergelaufen sei. (Marketingmanager Uwe H.: "Sie wollte unbedingt in die Show-Branche.")

Möglich, dass Bohlen und Estefania sich bei der nächsten Goldenen Kamera oder der Bambi-Verleihung blicken lassen - falls die Sache so lang hält. In Leipzig jedenfalls, zum ersten Bücher-Oscar im Frühjahr 2002, werden die beiden bisher nicht erwartet. Das würde wohl nur hinhauen, wenn die gehörnte Naddel im Herbst einen Bestseller vorlegt, der unter dem Titel "Meine Tränen - Es kann nur eine geben" Deutschland und den Rest der Welt so rührt, dass kein Weg daran vorbeiführt, ihr den Preis für das Buch mit der tiefsten Einsicht zu verleihen.

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