Kultur : Bücherverbrennung und Bibliophilie

KUNST

Tobias Lehmkuhl

Literaturausstellungen sind immer problematisch. Was sie präsentieren, hat in der Regel rein dokumentarischen Wert. Der visuelle Reiz ist gering, dem Auge wird wenig geboten. Zwar können auch Fotos, Briefe und Manuskripte von der Aura des Originals umweht sein, anders aber als bei Bildern oder Installationen ist der ästhetische Reiz gegenüber einer technischen Reproduktion kaum der Rede wert. Die Klage ist alt. Und sie lässt sich auch anlässlich der Ausstellung Verbrannte Dichter anbringen, deren Titel schon ein faux pas ist. Was man in der Saarländischen Landesvertretung (In den Ministergärten 4, Mo-Fr 9 bis 18 Uhr, bis 27. Februar) sehen kann, sind Werke und Dokumente von Schriftstellern, die während der Nazi-Zeit ins Exil gegangen sind. Doch weder sind die Dichter noch all ihre Schriften verbrannt worden. Zumindest Oskar Maria Grafs Romane entgingen der Bücherverbrennung, so dass der bayrische Autor schließlich appellieren musste: „Verbrennt mich!“. Einige Ausgaben der von ihm herausgegebenen Exilzeitschrift „Neue Deutsche Blätter“ liegen in einer der Vitrinen, die in den kalten Räumen der Landesvertretung aufgestellt sind. Auf den Bibliophilen haben sie magische Wirkung. Wer sich hingegen für den Inhalt eines Buches interessiert, hat Pech gehabt. Die Ausstellung, die wenig überzeugend Dichter-Paare in den Vordergrund zu stellen versucht, erweckt den Eindruck eines Sammelsuriums. Der Besucher wird keine neuen Bilder oder Erkenntnisse mit nach Hause nehmen. Mit einer Ausnahme: den Zeichnungen Else Lasker-Schülers. Von den viel zu selten gezeigten leidenschaftlichen Malereien der Dichterin versammelt die Ausstellung eine schöne Auswahl. Allein sie lohnen den Besuch.

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