Bühne : Flimm wird Intendant der Berliner Staatsoper

Der Leiter der Salzburger Festspiele, Jürgen Flimm, soll neuer Intendant der Berliner Staatsoper Unter den Linden werden. Der Salzburger Bürgermeister glaubt hingegen, dass Flimm sich seine Wechselpläne "abschminken" kann.

Berlin/SalzburgRegisseur Jürgen Flimm, der als Impulsgeber in der deutschsprachigen Bühnenlandschaft gilt, soll zum 1. September 2010 Intendant der Berliner Staatsoper werden. Das kündigte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) am Montag an. Flimm wird neben Generalmusikdirektor Daniel Barenboim den Umzug des Ensembles in das Schiller Theater sowie den Wiedereinzug in die renovierte Staatsoper zur Spielzeit 2013/2014 begleiten.

Flimms Vertrag in Salzburg läuft allerdings bis 2011. Er habe den Salzburger Festspielen aber bereits in einem Brief mitgeteilt, dass er schon 2010 aus dem Vertrag entlassen werden wolle. Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden, der auch Mitglied im Festspielkuratorium ist, sagte in einer ersten Reaktion zu Flimms Berliner Engagement: "Das kann er sich abschminken!"

Salzburg droht mit Rechtsstreit

Dass Flimm bereits 2010 Intendant in Berlin werde, sei absolut inakzeptabel, sagte Schaden weiter. "Flimm hat einen gültigen Vertrag bis Ende des Festspielsommers 2011. Wenn er den nicht erfüllt, muss er sich rechtlich mit uns auseinandersetzen." Ein Konkurrenzunternehmen in Berlin zu leiten, halte er für ausgeschlossen, sagte Schaden der Nachrichtenagentur APA. Nach seinem Vertrag dürfe Flimm anderswo nur einzelne Werke als Regisseur bearbeiten oder inszenieren.

Der Vorsitzende des Festspiel-Kuratoriums, Wilfried Haslauer, zeigte sich dagegen kompromissbereit. "Das muss man sich anschauen", sagte Haslauer, der eine Sondersitzung des Festspielkuratoriums einberufen will.

Flimms Intendantenvertrag in Berlin soll fünf Jahre laufen. Von Januar 2009 an wird er der Staatsoper aber bereits beratend zur Verfügung stehen und gemeinsam mit dem derzeitigen kommissarischen Intendanten Ronald Adler die Zukunft des Hauses planen und mitgestalten.

"Hervorragende Lösung"

Die Ernennung Flimms sei eine "hervorragende Lösung" für die Nachfolge von Intendant Peter Mussbach, sagte Wowereit. "Flimm ist konsequent im intellektuellen Meinungsaustausch und ebenso zielstrebig wie umsetzungsstark, wenn es darum geht, theoretische Diskurse in die künstlerische Praxis zu überführen", sagte Wowereit. Mussbach hatte nach Budgetstreitigkeiten im vergangenen Mai vorzeitig die Lindenoper verlassen.

Mit Flimm verbinde ihn eine Freundschaft und "das Bestreben nach Qualität", sagte Barenboim. Ihm gefalle die unkonventionelle Art, wie er das Musiktheater verstehe. Flimm sprach von "einer Art Zuneigung" zu Barenboim. Ihn reize die Arbeit in Berlin und der Neustart der renovierten Staatsoper. Mit Hinweis auf sein Alter sagte Flimm, er sei noch nicht soweit, sich "auf einer Parkbank" niederzulassen.

Wowereit wies Befürchtungen zurück, mit dem Umzug in das Schiller Theater drohe eine Fusion mit der von der provisorischen Spielstätte nur wenige hundert Meter entfernten Deutschen Oper. Barenboim sagte dazu, er strebe eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Oper an - "ohne jede Fusion" und zum Vorteil des Publikums. Als Beispiel nannte er eine Kooperation während der Sommerferien.

Flimm: Salzburger Festspiele zu stark kommerzialisiert

Flimm hatte nach Konflikten mit seinem Salzburger Theaterchef Thomas Oberender beschlossen, seinen Vertrag nach 2011 nicht zu verlängern. Er leitet das Festival seit 2006, zuvor war er dort Theaterchef. Die Entscheidung stehe aber nicht im Zusammenhang mit dem Angebot aus Berlin, betonte Flimm. Er begründete seinen Weggang aus Salzburg mit der immer stärker werdenden Kommerzialisierung der Festspiele.

Der Regisseur leitete bereits mehrere Bühnen, unter anderem in Köln und Hamburg. Das Hamburger Thalia Theater machte er als Intendant von 1985 bis 2000 zur bestbesuchten Bühne Deutschlands. Der gebürtige Gießener (Hessen) studierte in Köln unter anderem Theaterwissenschaft und Soziologie und nennt sich selbst eine "rheinische Frohnatur". (feh/dpa)

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