Das letzte Interview : Peter Zadek: Leader, nicht Diktator

Wenige Wochen vor seinem Tod hat der Regisseur Peter Zadek der "Zeit" sein letztes großes Interview gegeben. Darin spricht er unter anderem über seine Persönlichkeit und darüber, wie die Schauspielerei neu erfunden wurde.

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Peter Zadek (1926 - 2009).Foto: dpa

 Zadek, der in der Nacht zum 30. Juli im Alter von 83 Jahre gestorben ist, sagte darin über sich selbst, er sei „ein sehr ängstlicher Mensch“. Auch habe er sich selbst als „gar nicht so clever“ wahrgenommen. Sein großer Vorteil sei: „Ich habe eine sehr freie und lose Phantasie, mit der Regieführen wirklich großen Spaß macht.“

Zadek sah seine schönste und aufregendste Zeit in Bremen. „Das lag an den 60er Jahren und am Intendanten Kurt Hübner. Da war eine Stimmung! Also alles, was wir gemacht haben, war eine neue Erfindung.“ Er habe die Schauspielerei neu erfunden: „Als ich 1959 nach Deutschland kam, standen die Akteure auf der Bühne und sprachen nur Text. Aber sie spielten nicht Theater. Das hat mich total überrascht ... Schauspieler gingen damals nicht wie Menschen, sondern eben wie Schauspieler. Unnatürlich. ... Die Jungen wussten überhaupt nicht, wo es lang geht. Das war für mich natürlich die Gelegenheit.“

In den 70er Jahren hatte sich Zadek gegen die Mitbestimmung am Theater ausgesprochen: „Ich hätte damals gerne die Intendanz in Kassel übernommen. Aber da wurde ich in einer Art Hearing gefragt, was ich von Mitbestimmung im Theater halte. Gar nichts, habe ich gesagt. Entscheidungen in der Kunst könnten immer nur in einem Kopf stattfinden. Damit hatte ich den Posten verspielt.“ Zadek: „Die Engländer lieben leaders and not dictators. Das ist auch die richtige Beschreibung für mich.“

Peter Zadek beschäftigte sich kurz vor seinem Tod mit der Oper Cardillac von Paul Hindemith, die er 2010 in Wien inszenieren wollte.   (Tsp)

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