Eva-Maria Hohenfels : Ach, wär’ die Welt doch populär

Sie gehörte zu den großen Unbekannten des Berliner Musiklebens: Zum Tod von Eva-Maria Hohenfels, der Impresaria des "sinfonie orchesters berlin".

Vor Frederik Hanssen

Eva-Maria Hohenfels scheute die Öffentlichkeit, über sich selber wollte sie ebenso wenig etwas in der Zeitung lesen wie über ihr Orchester. Anfragen nach Pressekarten für eines der rund 40 Konzerte, die sie pro Saison in der Philharmonie veranstaltete, wurden stets abschlägig beschieden.

Eigentlich hatte Eva-Maria Hohenfels auch keinerlei Publicity nötig: Auf ihre Stammklientel konnte sie sich verlassen. Der Satz, mit dem sie in ihren bewusst altmodisch gestalteten Anzeigen um Kunden für „das sinfonie orchester berlin“ warb, fasst ihr Erfolgsrezept genau zusammen: „Gönnen Sie sich einige Stunden der Entspannung und Harmonie, garantiert durch immer wieder gern gehörte Meisterwerke berühmter Komponisten, in der festlichen Atmosphäre eines ausverkauften Hauses!“

Ohne das Konterfei ihres vor 21 Jahren verstorbenen Mannes, eines sympathisch lächelnden Herrn mit schulterlangem weißen Haarkranz, erschien keine dieser Anzeigen. Professor Victor Hohenfels hatte 1957 die „Populären Konzerte“ in Berlin ins Leben gerufen, nach ihm ist auch die Konzertdirektion mit Büro am Kurfürstendamm benannt. Eine Wirtschaftswunder-Gründung, ohne eine einzige Subventionsmark privat finanziert, die bald zur festen Größe im West-Berliner Musikleben wurde. Generationen von Musikstudenten konnten sich bei den Auftritten des Ensembles Repertoirekenntnisse erarbeiten, gerne spielten auch pensionierte Profis mit, seit der Wende stießen immer mehr Instrumentalisten aus den ehemaligen Ostblockstaaten dazu.

Auf den Programmzetteln des „sinfonie orchesters berlin“ finden sich Werke aller Gattungen und Zeiten – Hauptsache, sie sind populär: Da gibt es „Wiener Klassik“ oder „Slawische Symphonik“, da wird das „Festival der Romantik“ gefeiert oder der „Zauber der italienischen Oper“ besungen. Der 1970 geborene Renchang Fu bezeichnet sich auf seiner Website als „Chefdirigent“ des Ensembles, regelmäßige Gäste sind der frühere Kapellmeister des Potsdamer Hans-Otto-Theaters, Roland Reuter, sowie der Detmolder Dirigierprofessor Karl-Heinz Bloemke.

Kurz vor Vollendung ihres 87. Lebensjahres ist Eva-Maria Hohenfels nun in Berlin verstorben. Doch die Erfolgsgeschichte soll weitergehen: In ihrem letzten Willen hat sie verfügt, dass die „Populären Konzerte“ in der Philharmonie fortzuführen sind. Ihr treuer Büroleiter Bogdan Sikora wird diesem Wunsch entsprechen. 

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