Flimm und Petras : Intendanten und Ideen

Zwei Nachrichten wie aus einem Guss: Jürgen Flimm wird Intendant der Staatsoper, und Armin Petras verlängert seinen Vertrag als Chef des Maxim Gorki Theaters. Berlins Kulturverwaltung unter Klaus Wowereit und André Schmitz hat wieder zugeschlagen. Sie machen das nahezu geräuschlos, schnell und effektiv. Da kann man wirklich schwer meckern.

Rüdiger Schaper

Dem Tandem Wowereit/Schmitz gelingt etwas für Berlin höchst Ungewöhnliches: Die Gerüchteküche bleibt kalt. Bei den Vorgängern, bei Thomas Flierl zumal, liefen solche Berufungen anders. Monatelang wurden Kandidaten durchs Dorf getrieben, Findungskommissionen bemüht – ein heilloses Durcheinander. Da hat der Regierende Kulturbürgermeister im routinierten Zusammenspiel mit dem Kulturstaatssekretär einen neuen Stil eingeführt.

Ulrich Khuon übernimmt in der nächsten Spielzeit das Deutsche Theater, Donald Runnicles wird Generalmusikdirektor an der Deutschen Oper – beides gute und richtige Entscheidungen. Das gilt auch für Petras und Flimm. Man muss die Maxim-Gorki-Theater-Fast-Food-Kultur nicht goutieren. Aber die Methode Petras funktioniert, vor allem bei jüngeren Zuschauern. Und dem mit allen Wassern gewaschenen Theaterdirektor und Strippenzieher Flimm darf man die an sich unmögliche Aufgabe zutrauen, unter Daniel Barenboim den Staatsopernintendanten zu spielen. Für die problematische Übergangszeit der Lindenoper im Schiller Theater ist ein erfahrener Kapitän wie Jürgen Flimm wohl die beste Wahl.

Aber in der Kulturpolitik gibt es immer mehrere Baustellen. Kurzfristig wird Wowereit entscheiden müssen, ob Kirsten Harms an der Deutschen Oper bleibt oder doch eher nicht. Längerfristig darf man sich über die Volksbühne, das Berliner Ensemble und auch über die Schaubühne Gedanken machen.

So stark wie Wowereit sich in seiner Personalpolitik präsentiert, so schwach ist er in konzeptionellen Fragen. Bei der Staatsopern-Sanierung (Paulick-Saal!) und auch beim Komplex Stadtschloss/Humboldt-Forum verhält er sich opportunistisch. Hier lässt er André Schmitz den Vortritt, der bei beiden Projekten auf der konservativen Seite steht. Das ist die Kehrseite des Wowereit’schen Pragmatismus. Er hält den Laden ruhig am Laufen. Visionäres Denken liegt ihm nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben