Hammeriver-Projekt : Pulverisiert

Das Hammeriver-Projekt jazzt das b-flat und erforscht die Musik Alice Coltranes von ihrem Album "A Monastic Trio".

Maxi Sickert

Das braune Holz der Harfe schimmert im Halbdunkel, daneben ein Stuhl mit filzummantelten Klöppeln und kleinen Glocken auf einem Tuch. Die Bühne des b-flat ist eng besetzt. Elf Musiker haben ihre akustischen und elektronischen Instrumente aufgebaut, um das Hammeriver-Projekt der experimentellen australischen Harfenistin Clare Cooper aufzuführen, vor sich Notenpulte mit graphischen Notizen. Hammeriver erforscht die Musik Alice Coltranes von ihrem Album „A Monastic Trio“, aufgenommen 1968, ein Jahr nach dem Tod John Coltranes. Stücke wie „The Sun“ oder „Lord, Help Me To Be“ bilden die Grundlage für Clare Coopers Auseinandersetzung mit den Kompositionen.

Die Stimmung ist dunkel an diesem Abend, beginnend mit einem langsamen, meditativen Harfensolo. Umspielt von dem düster atmenden, in den Tiefen überblasenen Saxofon von Tobias Delius, setzen die anderen Musiker ein. Gast für diesen Abend ist der chinesisch-amerikanische Geiger C. Spencer Yeh, der mit zwei Bögen gleichzeitig in kurzen Bewegungen die Töne auf den Saiten zerreibt und die fast pulverisierten, zermahlenen Reste den Rückkopplungen des französischen Mischpult-Spielers Jean-Philippe Gross überlässt.

Auf den mit Wiederholungen arbeitenden Bassmotiven von Clayton Thomas, die sich wie ein Spurgrund durch die zunehmend perkussive Improvisation ziehen, formt sich ein wunderbar zärtliches, verwundbares Duett zwischen Delius und der Bassklarinettistin Anat Cohavi, untermalt von den wie einzelne Klanggebilde im Raum stehenden Akkorden des Pianisten Chris Abrahams. Am Schluss steht auch melodisch die Referenz an Alice Coltrane, verdichtet in einer langsam pulsierenden Idee von Jazz in einer zerfließenden Zeit. 

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