José Carreras gibt Abschlusskonzert : Durch die Blume

Mediterran: José Carreras beschließt das "Classic Open Air"-Festival am Gendarmenmarkt.

Christiane Tewinkel
Carreras Foto: Davids
Mit Grandezza und angenehm timbriertem Bariton. José Carreras. -Foto: Davids

Der Musik tut man keinen Gefallen mit dem Abschlusskonzert von „Classic Open Air“ am Gendarmenmarkt. Die Gefallensleistungen zum Ende des 18. Festivaljahrgangs gehen eher Richtung Sponsor, der trotz Krise weiter dabei blieb, was von Festivaldirektor Gerhard Kämpfe zu Beginn dankbar vermerkt wird. Sie gehen Richtung Taxibetriebe, denn rund um den abgehängten, versiegelten und bestuhlten Gendarmenmarkt ist auch an diesem Abend verkehrstechnisch nichts mehr möglich. Und sie gehen in Richtung der Zaungäste in den Büros und auf den Dachterrassen rundum, weil diese auf die farbig angeleuchtete Freitreppe des Konzerthauses blicken können, ohne sich auf die horrenden Eintrittspreise einlassen zu müssen: Immerhin singt an diesem Abschlussabend, mit Grandezza und inzwischen angenehm timbriertem Bariton, der spanische Startenor José Carreras.

Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) unter David Giménez, einem Neffen von Carreras, begleitet dienstfertig, ist dem Verstärkungssystem aber ebenso unterworfen wie dem Galaabend-Primat zu leichter Muse, dumpft und scheppert also leider etwas, kilometert sich stramm durch hundertfünfzig Jahre südländisches Schlager-Zarzuela- Opern-Gut, das hier „Mediterranean Passion“ genannt wird, genau wie das im vergangenen Herbst erschienene Album mit José Carreras. Mit dem Orchester allein und Georges Bizets Farandole zu „L’Arlesienne“ geht es los. Dann folgen Schmonzetten des hohen 19. und des wohlgelaunten 20. Jahrhunderts, von Luigi Arditi, Alfredo Catalani oder Pietro Mascagni, von Franz Léhar und Johann Strauß Sohn, später das Trinklied aus der „Traviata“ oder der All-Time-Hit „Granada“, in einer der vielen Zugaben. Ebenfalls zur Seite steht Carreras bei all dem die Sopranistin Barbara Krieger, in tuffigem Pfirsichrosa.

Sie hinterlässt einen recht zwiespältigen Eindruck, vielleicht die späte Folge einer mehrjährigen Zwangspause, die ihr ein Verkehrsunglück im Jahr 2000 auferlegte. Wie zufällig unterlaufen Krieger einige schöne Momente in einer ansonsten von s-Fehlern, einem flackernden Timbre und unsauberen Höhen durchsetzten Darbietung. Herzig verbeugt sie sich nun nach allen Seiten, nimmt während Léhars „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ einen zum Kleid passenden Strauß Rosen in Empfang („sicher bestellt“, wird in Block H geflüstert) und mischt die Blumen mit anmutigen Würfen gleich wieder unters Publikum.

Die Aufgabe, an Klassik „heranzuführen“, deren Erfüllung sich Festivaldirektor Gerhard Kämpfe wünscht, verfehlt jedoch gerade ein solches Konzert. Sehen und Gesehenwerden gehört seit Anbeginn des Konzertwesens dazu. Hören und Gehörtwerden aber auch.

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