Künstlerischer Leiter geht : Lutz Deisinger verlässt Bar jeder Vernunft

Herber Verlust für die Berliner Entertainment-Szene: Nach 17 Jahren scheidet Lutz Deisinger aus der Künstlerischen Leitung der Bar jeder Vernunft aus.

Kai Müller
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Neue Ziele. Lutz Deisinger.Foto: dpa

Als jetzt der australische Dandy und Beethoven-Vernarrte Montmorensy seine Auftaktshow in der Bar jeder Vernunft gab, war es ein Abschied. Nicht für Montmorensy, der jüngsten Entdeckung des Berliner Parkdeck-Etablissements, dessen Künstlerischer Leiter ihm eine große Karriere prophezeit. Sondern für Deisinger selbst. Der wird künftig keinen Einfluss mehr auf Montmorensys Fortkommen nehmen können, da er nach 17 Jahren als Spiritus Rector der Bar jeder Vernunft (BjV) ausscheidet.

Ein paar Freunde waren eingeladen worden, um den eher stillen Abgang zu erleichtern, der für die Berliner Entertainment-Szene ein herber Verlust ist. Denn Deisinger prägte an der Seite seines Kompagnons und BjV-Mitbegründers Holger Klotzbach wie kaum ein zweiter das Bild dessen, was in Ermangelung schärferer Begriffe Varieté, Kabarett oder Musical heißt.

Es ist die Post-Kleinkunst-Ära, die in der Bar jeder Vernunft ihren repräsentativsten Ort findet und den internationalen Ruf Berlins prägt, weil der studierte Theaterwissenschaftler Deisinger an dem Traum festhält, dass sich große Kunst auch mit den primitiven Aspekten der Unterhaltung verbinden lassen müsse. Mit seinem Spürsinn für originelle Charakterköpfe gab er heutigen Stars wie Meret Becker, Max Raabe, Die Geschwister Pfister, Malediva, Rainald Grebe sowie Pigor und Eichhorn im gediegenen Zelt-Provisorium eine Bühne.

Mit den aufwendigen Produktionen „Im Weißen Rössl“, „Drei Alte Schachteln“ (mit Evelyn Künecke, Helen Vita und Brigitte Mira) oder zuletzt „Cabaret“ zeigte er überdies, wie mit geringem finanziellem Aufwand auch ein privates Spiegelzelt zum großen Theater werden kann. Wenn er auch einräumt, dass der Publikumserfolg meist unerwartet kam. Mit dem Tipi-Zelt freilich hatte Deisinger auch eine Arena zu bespielen, die seinem Ansatz, nur Künstler zu engagieren, die ihn selbst interessierten, oft zuwiderlief.

Nun ist Deisinger ausgestiegen, um sich neuen Aufgaben im Theaterbereich zu widmen, wie er sagt. „Ich habe erreicht, was man in diesem Bereich erreichen kann“, erklärt er den Schritt gegenüber dem Tagesspiegel. Obwohl er auch von einem „gleitenden Übergang“ spricht und beteuert, der Zeitpunkt sei „gut überlegt und lange vorbereitet worden“, hat sein ehemaliger Weggefährte Klotzbach einen geeigneten Nachfolger noch nicht zur Hand. Nach Auskunft des Hauses soll die neue künstlerische Leitung bis 1. Mai präsentiert werden. Die Gespräche seien noch nicht abgeschlossen.


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