Malediva : Ehehöllenspaß

Schöne neue Häuslichkeit: Malediva im Tipi - Das Konzept ist nicht neu, funktioniert aber immer wieder – und ist inzwischen fast ein eigenes Genre.

Udo Badelt
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Foto: Robert Recker/Promo

Vielleicht sollte man doch nicht heiraten. Tetta Müller und Lo Malinke von Malediva haben es getan, 2001 im richtigen Leben und später auch in einer ihrer Bühnenshows – und was hat es ihnen gebracht? Jetzt sind sie sich erst recht ausgeliefert, und die Frotzeleien nehmen noch zu. In ihrer neuesten, siebten Show „Die fetten Jahre“ im Tipi am Kanzleramt sind die fetten Jahre nicht vorbei, sie beginnen erst. Schluss mit langen Disco- und Partynächten, jetzt wird die Beziehung gepflegt. Die Freunde werden nach Hause zum Essen eingeladen, damit sie das neue Designergeschirr bewundern können. Lo hat 18 Kaninchen in Schokoladensoße gekocht – zwei für jeden Gast. Doch die sagen ab, und so öffnet sich ein Zeitfenster für eine zweistündige Ehehölle, in denen die beiden sich in selbst verfassten, brillant-bösartigen Dialogen („Gott, hätt’ ich jetzt gern Gäste da, dann könnt’ ich mich wenigstens in netter Gesellschaft betrinken!“) gegenseitig in Rage steigern.

Das Konzept ist nicht neu, funktioniert aber immer wieder – und ist inzwischen fast ein eigenes Genre (Regie: Wolfgang Kolneder). Mit charmanter Geistesgegenwart werden Pannen – die nicht gerade selten passieren – sofort in die Show integriert, etwa wenn Lo eine Zigarettenpackung auffangen soll: „Und ich sage noch, schreib’ kein Programm, in dem ein Schwuler was fangen soll!“ Pianist Florian Ludewig bleibt als Darsteller zwar blass, begleitet aber mit rhythmisch vielseitigen Liedern die zickigen Wortgefechte – die natürlich in Wahrheit auf einem tiefen Einverständnis basieren, wie nur wahre Liebe sie kennt. Obwohl Malediva jeden ernsthaften Moment sofort mit Sarkasmus sabotieren, ergründen sie auf anrührende Weise das Wesen von Partnerschaft und erzählen so indirekt von dem Glück, das es bedeutet, zusammen auch mal schweigen zu können. Udo Badelt

Wieder am 22., 23., 27. und 30. 9.

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