Oper : Doktorspiele in Rheinsberg

"Opernentdeckung!!!“ titelte die Musikakademie Rheinsberg bedeutungsvoll auf den Einladungen zur diesjährigen Osterproduktion. Anders als bei den bedeutenden Ausgrabungen, die man in den letzten Jahren auf die Bühne des Rheinsberger Schlosstheaters brachte, kann man diesmal aber nur zum Teil zustimmen.

Carsten Niemann

„Opernentdeckung!!!“ titelte die Musikakademie Rheinsberg bedeutungsvoll auf den Einladungen zur diesjährigen Osterproduktion. Anders als bei den bedeutenden Ausgrabungen, die man in den letzten Jahren auf die Bühne des Rheinsberger Schlosstheaters brachte, kann man diesmal aber nur zum Teil zustimmen. Die 1786 in Wien uraufgeführte Oper „Doktor und Apotheker“ von Carl Ditters von Dittersdorf fehlt in keinem Opernführer. Andererseits: Die populäre Komödie, die ihrerzeit sogar Mozarts „Hochzeit des Figaro“ vom Spielplan verdrängte, wird seit Jahrzehnten kaum noch gegeben.

Das Stück, das den zeitlosen Konflikt zwischen Ärzten und Apothekern mit zwei Liebeshandlungen, Verkleidungen und einer Entführung verbindet, ist trotz feiner musikalischer Irritationsmomente vor allem ein Triumph des perfekt beherrschten Theaterhandwerks – und wurde mit dessen Bedeutungsverlust auch zunehmend von der Bühne verdrängt. Für ein Projekt, das jungen Musikern Musiktheatererfahrungen vermitteln, Unterhaltung für Osterspaziergänger bieten und gleichzeitig am historischen Ort Werke des 18. Jahrhunderts neu befragen will, ist das Stück also eine ideale Wahl. Gleichzeitig ist es, wie die Premiere am Gründonnerstag zeigte, für alle Beteiligten eine Herausforderung.

Dies gilt sogar für den musikalischen Leiter Reinhard Goebel, einer der bedeutendsten Alte-Musik-Experten. Während er mit dem jungen Orchester 1770 wahre Wunder an präziser Phrasierung und plastischer Stimmungsschilderung vollbring und das Akademieprojekt auf ein hohes Niveau hebt, zeigt er in der Zusammenarbeit mit den Sängern bisweilen merkwürdige Nachlässigkeiten: etwa wenn er in Aufzählungen jede Phrase gleich artikulieren lässt, statt durch Variationen dramatische Spannung zu erzeugen.

Regisseurin Claudia Forner gelingen zwar gut herausgearbeitete Konstellationen und klar artikulierte Dialoge. Ihr Versuch, zwischen der effektiven, nicht gerade subtilen Typenhaftigkeit des Wiener Volkstheaters und moderner Charakterzeichnung zu vermitteln, wirkt im Ergebnis aber so blass wie ein Film von Louis de Funès ohne Grimassen. Das große Plus der Aufführung sind die bis in die Nebenrollen glücklich gecasteten jungen Sänger. Besonders Julie Comparini als zickige Apothekersfrau, Agnes Selma Weiland als lyrisch präsente Leonore, Markus Vollberg als arroganter Doktor, Robert Pieper als buffonesk näselnder Hauptmann und erst recht die koloraturstarke Caterina Maier mit ihren berückend vollen, nachtigallenhaft timbrierten Spitzentönen machen so nachhaltig auf sich aufmerksam, dass ihnen mindestens ein Ausrufezeichen dieser „Opernentdeckung!!!“ gebührt. Carsten Niemann

Wieder heute und 12., 18., 19., 25. und 26. April. Kartentelefon: 033931 / 39296

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