Operngala : Psst! Bocelli enttäuscht

Die Opernbühne kann grausam sein. Was jemand, geschützt im Studio, auf CD aufnimmt, ist die eine Sache. Ob es ihm gelingt, ohne elektronische Verstärkung mit seiner Stimme einen ganzen Saal zu füllen, eine ganz andere. Eine Mascagni-Operngala mit Andrea Bocelli.

Udo Badelt

Andrea Bocelli schafft es nicht, jedenfalls enttäuscht der Italopop- und Klassikstar bei der Mascagni-Gala an der Deutschen Oper Berlin. Seine Stimme bleibt so klein, zaghaft und statisch, dass man sich bei seinen Auftritten unwillkürlich die Watte aus den Ohren holen möchte. Eugene Kohn muss das Orchester der Deutschen Oper drosseln, damit der Tenor überhaupt zu hören ist; auch die Höhen sind indiskutabel: Größere Intervallsprünge kosten den blinden Sänger so viel Kraft, dass seine Stimme danach noch schwächer wird. Die Fans fotografieren derweil so hemmungs- und rücksichtslos, dass die Minderheit im Publikum, die tatsächlich wegen der Musik gekommen ist, protestiert. Trauriger Gedanke, dass der Mitleidsfaktor beim Bocelli-Hype womöglich eine Rolle spielt.

Der Konzertbesuch ist gleichwohl alles andere als umsonst, denn eine Riege fantastischer Sänger läuft Bocelli den Rang ab. Mariana Pentcheva gibt als Santuzza in der konzertanten Aufführung von Pietro Mascagnis „Cavalleria Rusticana“ nach der Pause einfach alles, gliedert sich wunderbar ins Ensemble ein und leuchtet doch aus ihm hervor. Der Südafrikaner Fikile Mvinjelwa glänzt mit fülligem, glutartigem Bariton. Und Eugene Kohn sähe man gern öfter am Pult des unter ihm so kraftvoll-lyrisch spielenden Orchesters. Udo Badelt

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