Pauken& Trompeten : Mord im Bunker

Jörg Königsdorf wohnt einem Opernmassaker bei.

Jörg Königsdorf

Würde man Musiker nach der schönsten aller Opern fragen, hätte Claude Debussys „Pelléas und Mélisande“ gute Chancen auf einen Spitzenplatz. Merkwürdigerweise hat sich diese Begeisterung bisher kaum auf das Publikum übertragen; jedenfalls ist es kein Zufall, dass weder die Staatsoper noch die Deutsche Oper in dieser Spielzeit ihre Inszenierungen zeigen. Gut, dass wenigstens die Neuköllner Oper für die Präsenz des Meisterwerks in der Opernhauptstadt sorgt (nächste Termine: 1., 3. und 4. Oktober.)

Wer Debussy pur will, ist hier allerdings falsch: Die Inszenierung von Miriam Salevic dampft das Stück nicht nur auf knapp anderthalb Stunden ein, sondern dreht es auch ziemlich durch den Wolf. Da wird von Videoprojektionen über Gesprächsfetzen bis zum kühnen Musikmix alles geboten, was das Musiktheater an Dekonstruktionswerkzeugen bereithält. Damit sprengt die Regie fast das kleine Opernstudio – weshalb es sicher spannend zu sehen ist, wie sich dieses muntere „Pelléas“-Massaker in der Bunker-Atmosphäre des Techno-Clubs Berghain macht, in dem die Produktion nach der Wiederaufnahmeserie in der Karl-Marx-Straße für zwei weitere Abende (14. und 16. 10.) gastiert. Uneingeschränkt freuen kann man sich schon in Neukölln allerdings über die Sänger: Von Herdis Anna Jónasdóttir, Martin Gerke und Lars Ivar Nordal würde man gern einen ganzen „Pelléas“ hören.

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