SPIEL Sachen : Armer Junge

In den letzten Tagen war wieder vermehrt Besorgniserregendes über die "Männlichkeitskrise" zu lesen. Christine Wahl sieht Romeo mal wieder sterben.

Christine Wahl

Das Gemeinschaftsprojekt, das das Theater an der Parkaue und die Immanuel-Kant-Oberschule Lichtenberg vorhaben, klingt ungemein erleichternd: Being Romeo heißt die Produktion, die Regisseur Nico Dietrich mit Elftklässlern des Kurses Darstellendes Spiel an der Parkaue inszeniert und die also zumindest auf der Bühne erfreulich krisenresistente Romantiker-Qualitäten verheißt. Immerhin nimmt der junge Mann für seine Freundin Julia schon vor dem finalen Liebessuizid so einiges auf sich (wie – was hier der Gender-Fairness halber nicht verschwiegen sei – natürlich auch umgekehrt). „Being Romeo“ (heute, 18 Uhr) ist aber auch aus theaterhistorischen Gründen äußerst lohnend. Die Teenagerinnen und Teenager haben nämlich den Ehrgeiz, über Shakespeares Liebespaar par excellence hinaus noch zahlreiche weitere dramatische Protagonisten zu stemmen. Alle Stücke, die zurzeit auf dem Spielplan des Theaters an der Parkaue stehen, sollen in die Projektarbeit einbezogen werden. Das reicht vom „Räuber Hotzenplotz“ über den brechtianisch zeigefingernden „Guten Menschen von Sezuan“ bis zu Büchners schwer gelangweiltem Nachwuchsmonarchen Leonce und seiner Geliebten Lena. In vierzig Minuten bekommen Theaterjunkies so einen perfekten Repertoire-Überblick nebst garantiert hyperorigineller Verknüpfungen des dramatischen Kanons – und das alles bei freiem Eintritt!

Überhaupt ist die „Tusch“-Initiative eine gute Sache: Es handelt sich um eine Patenschaft, die viele Berliner Theater über mehrere Jahre mit einer jeweils speziellen Schule pflegen und die Kindern und Jugendlichen auf vielfältige Weise den Zugang zum Theater ermöglicht.

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