SPIEL Sachen : Boygroup mit Britney

"Die Räuber" von Friedrich Schiller in einer etwas anderen Version sind zwischen 1. und 4. Juli im Ballhaus Ost zu sehen. Unsere Autorin Christine Wahl ist von der Pop-Mädchenband auf der Bühne begeistert.

Christine Wahl

Letzte Woche wurde an dieser Stelle behauptet, dass die freie Theaterszene ihre Zuschauer zwar fürsorglich in die Arbeitsabläufe von Klempnern oder Prostituierten einweiht und auch zunehmend gern auf dokumentarische Stadtspaziergänge schickt, mit klassischen Stückvorlagen aber herzlich wenig anfangen kann.

Diese Behauptung wird nun durch die schrägen Puppenspielkünstler vom Helmi nachhaltig widerlegt! Denn klassischer und bildungsbürgerlicher kann der Griff zum Bücherregal wahrlich kaum sein: Die Helmi-Crew hat sich Friedrich Schillers Revoluzzer-Drama „Die Räuber“ vorgeknöpft und deren zwischen Idealismus und Terrorismus agierende Handlungsträger in eine Schiller-Band verwandelt. Dass in Karl Moor und Co. eine veritable Boygroup steckt, hatte ja vor wenigen Wochen bereits Nicolas Stemann mit seinem Gastspiel vom Hamburger Thalia Theater beim Theatertreffen bewiesen. Aber in der Helmi-Version, die jetzt unter dem schönen Motto "Am Arsch, die Räuber!" im Ballhaus Ost (1.–4. Juli, 20 Uhr) Berlin-Premiere feiert, sind „Die Räuber“ eine Mädchenband. Und zwar offenbar eine höchst trashige, denn ihr Idol heißt Britney Spears. Im Übrigen scheinen die Mädels durchaus naturverbunden, denn sie singen und tanzen ausdauernd im Wald – und sind den dort herrschenden Kastraten ein gewaltiger Dorn im Auge. Franz hingegen, der intrigante Bruder des Schiller’schen Räuberhäuptlings Karl, ist ein verträumter Hypochonder mit sehr traurigem Liedgut. Das Wichtigste an diesem Abend aber ist das Helmi-Versprechen: „Nicht ist, wie es scheint.“

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