SPIEL Sachen : Klassiker auf Rollen

"Walzerdisko auf Rollen": Christine Wahl geht ihren nächsten Theaterbesuch sportlich an.

Christine Wahl

Neu ist die These zwar nicht, dass das Theater neben seinem Kunstanspruch auch Warencharakter besitzt und also als Dienstleistung am zahlenden Zuschauer zu betrachten ist. Aber so supermarktkompatibel wie das Gründungsteam des Theaterdiscounters um Georg Scharegg hat sie noch niemand in ein trendiges PR-Konzept gegossen. „Neue Autoren, frische Schauspieler, unverbrauchte Regisseure: Noch nie waren echte Menschen so preiswert“, lautete das Motto, unter dem die Mittdreißiger 2003 ihr „Warenangebot“ auf den Markt warfen.

Letztes Jahr musste der Discounter aus seiner Spielstätte ausziehen und gastierte seither in befreundeten Häusern. Pünktlich zur morgigen „Langen Nacht der Opern und Theater“ präsentiert das Team ein eigenes Domizil. Sowie einen frischen Trend, für den die Ulla-Schmidt-Medaille fällig wäre: Gesundheitspolitisch beispielhaft verbindet der Discounter Theater und Fitness und lädt ab 19 Uhr dazu ein, den 370-Quadratmeter-Bühnenraum im ehemaligen Ostberliner Fernmeldeamt (Klosterstraße 44) mit Inlineskates zu durchqueren.

„Walzerdisko auf Rollen“ heißt das Event, bei dem eigene Rollschuhe von Vorteil sind, weil nur begrenzt Leihskates zur Verfügung stehen. Vom Adipositas-Präventionscharakter der Veranstaltung abgesehen, hat die „Walzerdisko“ auch eine inhaltliche Anbindung: Der Theaterdiscounter, der künftig auch Klassiker zeigen will, stimmt damit auf seine Eröffnungspremiere mit Ödon von Horváths Geschichten aus dem Wiener Wald am 15. Mai ein. Erste Ausschnitte gibt es morgen um 19.15 und 21.15 Uhr.

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