SPIEL Sachen : Sommer mit William

Es ist wieder Zeit für Freiluftdramatik: Christine Wahl über die alljährliche Dosis Shakespeare.

Christine Wahl

Lange genug hat es ja gedauert. Aber jetzt scheinen die Berliner Open-Air-Bühnen doch keinen Niedrigtemperatur-Konkurs anmelden zu müssen: Zumindest im Moment sieht die Großwetterlage für die Freiluftdramatik relativ günstig aus. Wer dank dieser Tatsache auf seine Kosten kommt? Diejenigen, die William Shakespeare seit jeher für den größten Dramatiker halten und sein Werk möglichst ungetrübt von interpretatorischen Regieeingriffen sehen wollen. Wann immer jedenfalls irgendwo unter freiem Himmel Theater gespielt wird, kann man sich sicher sein, dass Shakespeares Waldgeist Puck gerade dem falschen Athener Junglover ein folgenschweres Aphrodisiakum in die Augen träufelt oder eine eigentlich recht vernünftige Frau namens Katharina sich als „Widerspenstige“ einer humoresken „Zähmung“ unterziehen muss.

Dass sich ein Sommertheater – wie die Volksbühne mit ihrer temporären Agora – an antike Hardcore-Tragödienkost wie „Prometheus“ oder „Medea“ wagt, kommt jedenfalls höchst selten vor. Doch auch das Hexenkessel Hoftheater, das in den 16 Jahren seines Bestehens einen gewaltigen Shakespeare-Komödien-Fundus angesammelt hat, wagt sich dieses Jahr immerhin an verhältnismäßig schwere Kost des Elisabethaners. In ihrem Amphitheater im Monbijoupark (Eingang Monbijoustraße) lädt die Truppe zu Shakespeares weisem Alterswerk „Der Sturm“ (4.7., 21.30 Uhr) und lässt also den magiebegabten, von seinem Bruder gestürzten Herzog von Mailand, Prospero, auf der berühmten Insel stranden. Deren Bewohner – der Luftgeist Ariel, die Hexe Sycorax und ihr grobschlächtiger Sohn Caliban – bieten so viel Gelegenheit, tief über die Dinge des Lebens nachzudenken, dass die Shakespeare-Comedy „Hamlet außer Kontrolle“ (4.7., 20.15 Uhr) im Komödienhaus Pfefferberg (Christinenstr. 18/19) ein willkommener Ausgleich sein könnte.

Dort stellt der mittelmäßige Filmregisseur Stefan Spülberg zwecks „Hamlet“-Verfilmung aus Spargründen seine Technikmannschaft vor die Kamera – die allerdings bald mit neurotischen Allüren nervt. „Die Zeit ist aus den Fugen“ – auch Herr Spülberg dürfte sich sicher sein, dass diese Diagnose treffender ist denn je.

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