Theater im Palais : Verflixt!

Ein Capek-O’Casey-Abend im Theater im Palais: Was auch immer helfen soll, verschlimmert nur das Unglück. Die Kuh lässt sich am Strick nicht festmachen, die Ersatzglühbirne explodiert, das Lampenöl fließt davon, Geschirr zerbirst, Balken und Rasierklingen fordern blutigen Tribut.

Christoph Funke

 In seinem Einakter „Das Ende vom Anfang“ lässt Sean O’Casey die Dinge tanzen, bis Darry und Barry Hören und Sehen vergeht. Aber sie kämpfen tapfer gegen blindwütige Verhängnisse.

Anders der von seinem schauspielerischen Sendungsbewusstsein geradezu überwältigte Ich-Erzähler in Karel Capeks Monolog „Wie ein Theaterstück entsteht“. Der nutzt die Elastizität eines Hosenträgers, um sich in den Mittelpunkt der Bühnenwelt zu katapultieren – das alltägliche Ding wird zur Quelle des Ruhmes. Beide Texte bringt das Theater im Palais unter dem Titel „Wunder befördern“ zur Aufführung, mit einer gehörigen Portion Selbstironie. So schnuppert Carl Martin Spengler in der kleinen, von Bühnenbildner Franz Zauleck pittoresk aufgebauten Garderobe Theaterluft, holt die Geister des beseligenden Spiels aus allen Ritzen, verwandelt sich in Dichter, Regisseur, Dramaturg und Kollegen, führt mit List und Tücke einen Feldzug um die eigene Bedeutung. Spengler vibriert geradezu vor Spiellust, er ist mit allen Sinnen den Geheimnissen, Höhenflügen und Abstürzen des Theaters auf der Spur. Alles ist Unfug, alles hat tiefere Bedeutung. Das trefflich Tränklein gegen Alltags-Tristesse – wer schlürfte es nicht gern?

Und dann die Botschaft O’Caseys, dass keine Katastrophe aufzuhalten ist. Von ganz fernher kommt sie zwar nicht, aber Regisseurin Barbara Abend lässt sich den Spaß nicht nehmen. Staunenswert, wie Franz Zauleck auf engstem Raum untergebracht hat, was für den Reigen fantastischer Unglücksfälle gebraucht wird. JensUwe Bogadtke und Peter Rauch spielen die Tunichtgute, die ihre Alltagswelt im Krieg gegen die vermeintlich unterbeschäftigte Frau nicht in den Griff bekommen. Sie geben den tolldreisten Unternehmungen der Sangesfreudigen schwitzenden Eifer und naive Unschuld. Gabriele Streichhahn darf in zwei kurzen Szenen die Hausfrau sein, eine „gute Hausfrau“, schreibt O’Casey, „aber das ist auch alles“.

Bei Streichhahn ist es ein bisschen mehr – ironisch gebrochene Deftigkeit, gescheites, wütendes Selbstbewusstsein. Dass O’Casey nicht nur die kleinen Zusammenbrüche in der Stube meint, darf hinzugedacht werden. Auf der Bühne triumphiert der Genuss am meisterlich zubereiteten Chaos.

Wieder am 6., 7., 14. und 15. Mai

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