Unter den Linden : Staatsoper: Mehr Luft für die Ohren

Der Zeitplan bis zur feierlichen Wiedereröffnung im Oktober 2013 wird eingehalten und der Kostenrahmen von 126 Millionen Euro nicht gesprengt. Die Senatsbaudirektorin stellte den Entwurf für den neuen Saal der Staatsoper vor

Christine Lemke–Matwey
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Geschafft. Architekt HG Merz und Senatsbaudirektorin Regula Lüscher.Foto: ddp DAVIDS/Darmer

Kulturstaatssekretär André Schmitz war zwar im (völlig unerwarteten) montäglichen Schneechaos steckengeblieben und tauchte auch während der gut einstündigen Modellpräsentation des neuen Zuschauersaals der Berliner Staatsoper Unter den Linden in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung nicht auf – aber das machte nichts. Seiner „Begeisterung“ für die aus acht Entwürfen vom Architekturbüro HG Merz erarbeitete Lösung konnte das Auditorium sicher sein. Und auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher legte viel helvetische Zufriedenheit an den Tag. Schließlich dürfe man nicht vergessen, dass zwischen fünf widerstreitenden Parteien verhandelt und vermittelt wurde (Bund und Land als Geldgeber, Denkmalschutz, Architekt, Akustiker sowie die Oper selbst). Ein Arbeitskompromiss also. Hauptsache, der Zeitplan bis zur feierlichen Wiedereröffnung im Oktober 2013 wird eingehalten und der Kostenrahmen von 126 Millionen Euro nicht gesprengt. Ist ja auch wichtig.

Die Fakten: Die für eine befriedigende Saalakustik nötige Nachhallzeit wird von derzeit mageren 1,1 Sekunden auf ordentliche 1,6 Sekunden erweitert (die musikalische Minimalforderung). Dazu hebt man die Decke um vier Meter an und steigert das Raumvolumen von 6500 auf 9500 Kubikmeter. Auch wird in den noch zu bestimmenden Materialien auf akustisch günstige Werte gesetzt. Ein vierter Rang allerdings, der nun theoretisch möglich wäre, verbietet sich weiterhin: von der Erschließung her zu kompliziert und akustisch kontraproduktiv. Vielmehr wird der über dem dritten Rang entstehende, sich seitlich auswölbende (Luft-)Raum als Nachhallgalerie genutzt. Und auch das renovierte Haus erhält eine Verstärkeranlage, bei Sprechrollen oder Ballettaufführungen mit Musik vom Band nach wie vor unerlässlich.

Daniel Barenboims (geflügeltes) Wort, Vorhersagen über die Akustik seien so verlässlich wie der Wetterbericht, hat das Akustikbüro Peutz sicher nicht gefreut. Trotzdem wird man im neuen alten Haus besser hören. Besser sehen wird man nicht. Die Sichtlinien nämlich konnten nicht optimiert werden. Diese kranken weniger, wie zunächst angenommen, am zu niedrigen (nun ebenfalls erhöhten) Proszenium als an der Ausladung der drei Ränge in den Raum. Diese „zurückzuschneiden“ hätte mehr Kosten und weniger Sitzplätze bedeutet.

So wird sich der versprochene Zuschauerkomfort hauptsächlich auf die Barrierefreiheit des Hauses konzentrieren, auf die Anzahl der WC-Anlagen sowie auf die Breite der Sitze, die von 50 auf 55 Zentimeter wachsen soll. Positiv ist natürlich auch, dass die Staatskapelle bei Konzerten im eigenen Haus dank der Proszeniumsanhebung (und einer neuen Muschel) deutlich besser klingen wird.

Hinter den Kulissen ist sicher nicht wenig geschachert worden. Hier der kleine Finger, dort die ganze Hand. Man habe mit Paulick weiterbauen wollen, dem Architekten der wiederaufgebauten Staatsoper von 1955, so das Denkmalschutzamt. Er sehe sich auf den Schultern zweier ganz anderer Riesen stehen (Knobelsdorff und Langhans), so HG Merz . Persönlich favorisiere er eine andere Variante, schon der Proportionen wegen. Eine, die Paulicks Deckenspiegel, der nun erhalten bleibt, architektonisch aufgelöst hätte. Aber das sei nicht durchsetzbar gewesen. Wie vieles.

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