Wagner-Marathon : Ein Feger aus Kurpfalz

Langmut, dein Name sei Mannheim! Das dortige Nationaltheater hat einen neuen Haltbarkeitsrekord aufgestellt, zur Freude der Wagnerianer aus aller Welt: Zum traditionellen Karfreitags-"Parsifal" unter Regie von Hans Schüler pilgerten die Freunde von Amfortas, Gurnemanz, Kundry und Co. von nah und fern wieder in die Hauptstadt der Kurpfalz.

Von Christiane PeitzSeit 52 Jahren steht Schülers Produktion auf dem Spielplan! Die Inszenierung, die am 14. April 1957 Premiere feierte, ist nun die älteste im deutschsprachigen Raum, hat sie doch den Bayreuther Uraufführungs-„Parsifal“ von 1882 aus dem Rennen geschlagen. Der hielt sich nur 51 Jahre am Grünen Hügel. An Fronleichnam (11. Juni) gibt’s in Mannheim die nächste Vorstellung. Und überhaupt wird der Longseller bestimmt nicht abgesetzt, die Produktion ist jedes Mal ausverkauft, lange im Voraus. Erfolg verpflichtet.

Hans Schüler also. Lichtarchitektur, heilige Hallen, mythischer Raum, edel, vernebelt, völlig losgelöst – nachzusehen auf www.nationaltheater-mannheim.de. Echte Angvargarde pflegt der fremdwortgewandte Berliner das zu nennen. Kein Wunder, ist der hauptstadtälteste OpernDauerbrenner doch seit Ostern gerade mal 40 Jahre jung. „Tosca“ an der Deutschen Oper, Regie: Boleslaw Barlog, Premiere war am 13. April ’69.

Entdeckung der Langsamkeit? Verweile doch, du wirst immer schöner? Sind Opern wie Weine, die reifen? Nix da, in der Oper war Geduld seit je eine Kunst, denn der Gesang überwindet die Gesetze der Zeit. Da wird über Stunden in den höchsten Tönen gestorben, die WagnerSchwergewichte „Parsifal“, „Meistersinger“ oder „Götterdämmerung“ sind unter sechs Stunden nicht zu haben, allein das Parsifal-Vorspiel mit seinen traumhaft überirdischen Längen dauert eine gefühlt Ewigkeit. Der Gral, das ist der Augenblick, der niemals endet. Oder, mit Wagners Worten: „Du siehst, mein Sohn /zum Raum wird hier die Zeit.“ Völlig losgelöst eben, das gute alte deutsche Weihespiel.

Erinnert sich noch jemand an die Parsifal-Version der Neuen Deutschen Welle? „Im Sturz durch Raum und Zeit/Richtung Unendlichkeit“, sang Nena und meinte die Liebe. Auch die wird, fügte die PopGöttin hinzu, aus (Lang-)Mut gemacht.

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