Kultur : Bühnentier

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JAZZ

Zwei Fragen zu diesem Konzert. Erstens: Woran erkennt man große Schauspielerinnen? Daran, dass sie singen. Ob Dietrich oder Monroe - wer eine richtige Diva ist, muss in Chansons oder Schlagern schwelgen. Könnte also sein, dass Katja Riemann aus diesem Grunde beschlossen hat, mit dem Pianisten Andreas Schmidt ein Programm zu erarbeiten und nun mit einem Oktett im A-Trane aufzutreten. Das bringt uns zur zweiten Frage: Woran erkennt man große Sängerinnen? Daran, was sie tun, wenn sie nicht singen. Wissen sie, was sie mit ihrem Körper anfangen sollen? Gute Sängerinnen sind vor allem eines: gute Schauspielerinnen. Und Katja Riemann? Ist, nach dieser Logik, keine gute Schauspielerin. Verkrampft steht sie da, und während der Gitarrist ein rockiges Solo spielt, schielt sie heimlich nach links. Zur Backgroundsängerin Angela Chineyere Ordu, ihrer „Freundin aus Afrika“, wie sie sagt. Die lässt die Musik durch ihren Körper fließen, schwenkt locker die Unterarme, schwappt wie eine Welle über den Beat. Riemann dagegen freut sich über den Applaus, indem sie hastige Luftsprünge macht und dabei mit beiden Füßen aufstampft. Und ihr Gesang? Passabel, für eine Schauspielerin. Die Stimme ein bisschen dünn zwar, die Übergänge zur Kopfstimme gebrochen, das Vibrato voller Musical-Pathos. Aber: Keinerlei Intonationsprobleme, weder bei Joni Mitchell-Songs noch bei den Liedern ihrer Schauspielerkollegin Yasmin Tabatabai. Nur, als sie „My Funny Valentine“ singt, wirkt sie verloren. Da versucht sie, improvisiert zu summen, verstummt aber ganz schnell. Solche Unsicherheiten, das wird immer deutlicher, sind Strategie. Doch nicht so schlecht, die Schauspielerin Riemann. Johannes Völz

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