Kultur : "Bündnis für den Film": Kleine Brötchen

Christiane Peitz

Die Unterzeile sei schuld, beteuert Kulturstaatsminister Michael Naumann und kommentiert am Rande seines "Bündnisses für den Film" die Debatte über den deutschen Kulturföderalismus. Nie habe er gesagt, die Kulturhoheit der Länder sei Verfassungsfolklore. Nicht über die Tatsache, lediglich über den barocken Begriff habe er sich mokiert. Ansonsten habe er mit seinem "Zeit"-Aufsatz lediglich einiges klarstellen wollen: vor allem, dass Bundeskultur kein Hobby sei, sondern schlicht Politik - mit einem Budget von 1,65 Milliarden Mark. Aber natürlich, das ist Naumanns spitzbübischer Verve anzumerken, amüsiert ihn der Protest der Länderfürsten und der Kultusministerkonferenz. Was wäre der Föderalismus ohne das fast schon rituelle Gerangel um ihn.

Auch im "Bündnis für den Film" spielt die umstrittene Länderhoheit eine Rolle: etwa wenn Naumann sich darüber beklagt, dass er die kulturelle Filmförderung (das Kleingeld neben den satten Wirtschaftssubventionen) zwar erhöhe, die Länder aber nicht gleichziehen wollten. Ansonsten ist Naumann in Sachen Film kleinlauter geworden: So sehr er verspricht, sich im November bei den EU-Kontrolleuren in Brüssel für den Erhalt der staatlichen Filmförderung stark zu machen, so wenig kann er vor der eigenen Haustür ausrichten. Das liegt weniger an der Autonomie der Länderförderungen als an den mächtigen TV-Sendern, die sich auch in der dritten, am Samstag zu Ende gegangenen "Bündnis"-Runde in Berlin nicht über den Tisch ziehen ließen. Naumanns Hauptanliegen - die Stärkung der unabhängigen Produzenten - beschränkt sich wie gehabt auf Bemühenszusagen: Die für die Produzenten wesentliche Verkürzung der Rechterückfallfrist bei TV-kofinanzierten Filmen bleibt Zukunftsmusik. Lediglich die gesetzlich festgeschriebene Mittelbindung des Senderanteils im Fördertopf des Bundes wird voraussichtlich gelockert. Demnächst können diese TV-Gelder auch für die Produktion von Kinofilmen eingesetzt werden. Ein kleiner Schritt in die richtige Richtung.

Stell Dir vor, es ist Bündnis und keiner geht hin. Am runden Tisch der Filmwirtschaft waren die TV-Macher und -Lobbyisten zahlreich vertreten; um so spärlicher erschienen die freien Produzenten. Wollen sie keine Unterstützung mehr? Es werden ohnehin immer weniger, bedauert der Minister. Und spielt auf Tom Tykwers Produktionsfirma X-Filme an: Der populärste Hoffnungsträger der jungen Filmszene gehört neuerdings zu 51 Prozent den Börsenplayern der Senator AG.

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