Kultur : Bürger oder Burger

TANZ

Sandra Luzina

Im Foyer der Akademie der Künste hat die Aktionsgruppe AVA – American Voices Abroad – Berlin ihren Infotisch aufgebaut. Die gute alte Idee von der Gegenöffentlichkeit! Politaktivisten treffen dann auf Kunstpropagandisten. Denn durch und durch propagandistisch mutet dieses amerikanisch-deutsche Tanzprojekt America! Question (noch einmal heute, 20 Uhr) an, das die Berliner Choreografen Dieter Baumann und Jutta Hell von Rubato zu verantworten haben. Die beiden reisten im Februar dieses Jahres in die USA, führten Interviews mit 20 US-Bürgern, sie haben Stimmen und Stimmungen eingefangen – „nach dem 11. September“. Sie haben die Körper festgenagelt, in Beugehaft genommen. Der bedrohte, beleidigte, der wehrhafte, abwehrende – der „amerikanische“ Körper musste sich doch finden lassen. Und der ist längst kein demokratischer, der ist ein MacKörper!

Wie sich die politisch-sozialen Veränderungen nach dem 11. September in den Körper einschreiben – schon diese Frage muss als unangemessen, irreführend, ja anmaßend gelten. Die Videos lassen gemäßigt patriotische und gewissenhaft unpatriotische Amerikaner zu Wort kommen, doch Auswahl und Montage des Doku-Materials sind nicht nur manipulativ, sondern geben sich auch noch auf penetrante Art künstlerisch. Die Tänzer der Core Performance Company Atlanta/Houston machen gute Miene zum blöden Spiel und tanzen Bildern von Hochhäusern und Burger-Bratereien hinterher. Wie lasse ich meine amerikanischen Partner unvorteilhaft aussehen: So müssen die Tänzer Baumwollunterwäsche und Socken tragen und eine Mini-Flagge schwenken. Da sinkt der Mut, Stars und Stripes lassen sich immer mehr hängen. Ein Ärgernis! Ein deutsches!

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