Kultur : Bulgakows "Hunderherz": Alle Suppenhühner werden Brüder

Uwe Friedrich

Mit Anklängen an die Barockoper, mit Rezitativen und Klagegesängen will der Komponist Torben Maiwald der Novelle "Hundeherz" von Michail Bulgakow für die Opernbühne interessant machen. Roland Merz setzt hingegen auf Musicalklänge mit erotisch aufgeheizten Songs und rhythmischem Drive. Dafür haben die beiden zwar nicht den ersten Preis im Neuköllner Opernwettbewerb erhalten, um aber die Juryentscheidung transparent zu machen, werden auch die ersten Szenen der beiden anderen Komponisten konzertant aufgeführt. Dann wird der Saal desinfiziert. Nach der Pause stehen die Stuhlreihen im Viereck um die große Spielfläche, die Zuschauer müssen OP-Kittel überziehen, zu ihrer eigenen Sicherheit, schließlich werden sie nun der Operation des tollwütigen Straßenköters Bello zum neuen Menschen Bellow beiwohnen. Dazu hat sich der Wettbewerbsgewinner Antonis Anissegos eine recht spröde Musik einfallen lassen, die sich konsequent jeder traditionell bebildernden Opernfolklore verweigert. Statt dessen wird jedem der fünf Darsteller ein Instrument zugeteilt sowie drei Kerntöne. Regisseur Robert Lehmeier unterhält die Zuschauer mit einer beachtlichen Gagdichte. Bei der entscheidenden Operation werden dem Tier menschliche Hoden mit dem Kartoffelstampfer aufgedrückt, das entnommene Hundehirn fliegt dekorativ durch den Saal, und ein Suppenhuhn wandert von Hand zu Hand. Zwar wird der Hund zum skrupellosen neuen (sozialistischen?) Menschen, doch für Bulgakow ist die Bestie der skrupellose Professor, der das technisch Mögliche ohne Bedenken auch umsetzt. In allerletzter Minute gelingt es ihm, sein Geschöpf wieder in den harmlosen Hund zurückzuverwandeln.

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