Kultur : Bundesgartenschau: Landschaft im Zeitalter der Event-Kultur

Bernhard Schulz

Der Sommer zieht sich spürbar zurück, und auch die Tage der Potsdamer Bundesgartenschau (Buga) sind gezählt. Noch lässt sich nicht ermessen, was die Buga für die Weiterentwicklung der eigentümlichen Potsdamer Verbindung von Stadt und Parklandschaft erbracht hat. Aber über das event der auch als gärtnerische Leistungsschau verstandenen Buga hinaus wird sichtbar, dass Potsdam erstmals seit dem 19. Jahrhundert einen Zuwachs an charakteristischer Parklandschaft erfahren hat. Die dezentralen Standorte der Buga, etwa die wiedererweckte Freundschaftsinsel mit ihrem Staudengarten oder der anspruchsvoll gestaltete Wilhelmplatz, sind in das Alltagsgefüge integriert. Ob und wie dies beim jahrzehntelang als Militärgelände der Roten Armee verhunzten Bornstedter Feld gelingt, dem Hauptschauplatz der Buga, weist über den Ort selbst hinaus.

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Die Bundesgartenschau in Potsdam Denn zur Diskussion stehen Qualität und Nutzung des öffentlichen Raumes in Zeiten der Event-Kultur, in denen die Grenzen zwischen "öffentlich" und "privat" immer stärker verschwimmen. Vom 7. bis 9. September veranstaltet die Entwicklungsgesellschaft Bornstedter Feld in der Uni Potsdam eine internationale Fachtagung unter dem Titel "Stadt schafft Landschaft" als "Antwort auf den Anspruch, mit dem Park im Bornstedter Feld einen Park des 21. Jahrhunderts zu kreieren". Drei Themenschwerpunkte behandelt sie Veranstaltung: "Die Zukunft des öffentlichen Raumes", "Zukunft der Kulturlandschaft" sowie "Vom Volkspark zum Themenpark". Auf die Einleitungsvorträge am Freitag, den 7. September folgt tags darauf die Arbeit der rund 300 erwarteten Teilnehmer in den drei entsprechenden Sektionen, die ihrerseits mit einer Fülle von Referaten aufwarten. Begleitet wird die Tagung von einer öffentlichen Podiusmdiskussion am Freitagabend im Audimax der Uni Potdsam zum Thema "Öffentlicher Raum als Wert der Zukunft". Erwartet werden neben anderen Volker Hassemer, Geschäftsführer von "Partner für Berlin", Senatsbaudirektor Hans Stimmann und Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm.

Zur Buga hat Tagungs-Organisator Thies Schröder gemeinsam mit Michael Kasiske unterdessen den Sammelband "Gartenkunst 2001" herausgegeben, der die Vorhaben im einzelnen darstellt und die Intentionen der Buga-Veranstalter erläutert. Die Beschwörung der kommunalen Handlungsfähigkeit in den Vorworten klingt wie das sprichwörtliche Pfeifen im Wald. Gerade Potsdam hat in Gestalt der unrühmlichen shopping mall am Bahnhof erfahren müssen, was die Selbstpreisgabe der Sadt zugunsten privater Investoren für Folgen hat. Die Buga und insbesondere das weiträumige Entwicklungsvorhaben Bornstedter Feld sollen demgegenüber den Vorrang der kommunalen, im Wortsinne als gemeinschaftlich verstandenen Planungen und Entscheidungen behaupten. Bei allen spielerischen Elementen, die der Gestaltung des Bornstedter Feldes auch eignen, steht die Nachhaltigkeit der Nutzung im Vordergrund - das Gegenteil dessen, was in Begriffen wie "Erlebnispark" unreflektiert mitschwingt. Insbesondere das Hauptgebäude auf dem Bornstedter Feld, die Biosphärenhalle, wird mit ihrer angestrebten Nutzung für ökologisches edutainment ein Beispiel der Kooperation von öffentlicher und privater Planung bilden. Von Frühjahr 2002 an wird die Halle unter dem Namen "CinemaxX Biosphäre" als "kommerzielle Attraktion in Form eines Botanischen Gartens betrieben" werden, wie es im jüngst erschienenen Werkverzeichnis der Architekten heißt.

Diese von der Fachkritik stark beachtete Halle hat das Berliner Architektenduo Barkow Leibinger aus den topographischen Gegebenheiten des Bornstedter Feldes entwickelt. Ihre markanten "Wälle", die ein Geviert von 200 Metern Länge und 34 Metern einfassen und ein mächtiges Flachdach tragen, kehren in der Parkgestaltung wieder. Dort dienen die einst als Sichtschutz aufgeworfenen Wälle als Gliederungselement des ebenen Geländes. Die Halle birgt eine tropische Wildnis in einem unter Geländeniveau eingegrabenen "Tal", das von an der Decke abgehängten Stegen überbrückt wird.

Die Nachhaltigkeit des Bornstedter Parks wird dadurch unterstrichen, dass Teile des Areals künftig bebaut, Stadt und Landschaft also dicht miteinander verwoben werden sollen - keine Satellitensiedlungen, wie sie zu DDR-Zeiten hingeworfen wurden, sondern die Weiterentwicklung der Potsdamer Tradition der in Felder und Auen verschwimmenden Gartenlandschaft.

Unter dem Blickwinkel solcher Zielsetzungen könnte die anstehende Tagung Ergebnisse zeitigen, die weit über den lokalen Rahmen Potsdams hinausweisen - auch wenn eine Bundesgartenschau wegen der reichlich sprudelnden öffentlichen Mittel stets die glanzvolle Ausnahme vom kommunalen Alltag bleiben wird.

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