Kultur : Bundesgerichtshof bestätigt Verbot des Biller-Romans

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Der stark autobiografische Roman „Esra“ des in Berlin lebenden Schriftstellers Maxim Biller bleibt verboten. Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe verwarf am Dienstag die Revision von Billers Kölner Verlag Kiepenheuer & Witsch und bestätigte damit ein Urteil des Oberlandesgerichts München. Laut BGH greift der Roman, der von der unglücklichen Liebe eines Schriftstellers zu der Titelheldin, einer DeutschTürkin, erzählt, in schwerwiegender Weise in das Persönlichkeitsrecht von Billers Ex-Freundin und deren Mutter ein, die die Klage angestrengt hatten. Die Frauen, entschied das BGH, seien in den Romanfiguren Esra und Lale zumindest für ihren Bekanntenkreis erkennbar. Der Autor habe „keine Typen dargestellt, sondern Portraits“ und seine Figuren nur unzureichend verfremdet: „Dies ist von der Kunstfreiheit nicht gedeckt.“ Daher habe hier das Grundrecht der Kunstfreiheit hinter dem Persönlichkeitsrecht zurückzutreten, entschied der sechste Zivilsenat des BGH. Die Senatsvorsitzende, Richterin Gerda Müller, sprach von einer „schwierigen Gratwanderung“. Entscheidend sei, ob eine reale Person im Roman „künstlerische Selbstständigkeit“ erlangt habe. Bei der Grundproblematik handle es sich allerdings um eine „Zwickmühle“ für den Autor: Gerät ihm die Beschreibung zu ähnlich, wird es womöglich ein Porträt, das den Schutz der Kunstfreiheit verliert. „Fügt er dagegen frei Erfundenes hinzu, dann läuft er Gefahr, dass das Werk wegen Entstellung des Abgebildeten verboten wird.“ Tsp

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