Kultur : Bundeshaushalt: Jäger des Schatzes

Antje Sirleschtov

Der Volksschatz ist verlockend groß. Mehr als 1000 Euro könnte jeder Deutsche ausgezahlt bekommen, würde das Vermögen ausgekehrt. Die Rede ist von den Gold- und Devisenreserven der Bundesbank. Einst angehäuft, um die Landeswährung zu sichern und an Devisenmärkten intervenieren zu können, lagern in den Tresoren der Bundesbank und im amerikanischen Fort Knox annähernd 3500 Tonnen pures Gold - Gegenwert derzeit rund 34 Milliarden Euro. Dazu kommen noch einmal Devisenbestände im Wert von rund 52 Milliarden Euro. Betrachtet man die ursprüngliche Idee des Volksschatzes, benötigt Deutschland das Gold und die Noten heute nicht mehr im vollen Umfang. Denn seit Anfang 1999 ist die Europäische Zentralbank (EZB) für die Kurspflege des Euro zuständig. Von den nationalen Notenbanken hat die EZB dazu Bestände erhalten. Allein von der Bundesbank 12,5 Milliarden Euro. Noch nutzloser als das Währungsvermögen ist der Goldschatz. Spätestens seit die Amerikaner ihr Ziel aufgaben, jeden Dollar in Gold zu einem festen Preis aufzuwiegen, dient das Edelmetall nicht mehr zur Währungssicherung. Vor gut zwei Jahren strich denn auch die Schweiz eine entsprechenden Klausel aus der Verfassung und verkaufte tranchenweise ihr Gold. Auch die Bank von England, die Niederlande und Belgien boten danach Gold am Weltmarkt an. Politiker und Banker in Deutschland diskutieren seit Jahren immer wieder, was mit den deutschen Schätzen zu tun sei. Den wohl spektakulärsten Griff in die Kasse wagte 1997 Theo Waigel, CSU-Finanzminister unter Helmut Kohl. Waigel forderte die Bundesbank auf, ihren Schatz zu aktuellen Marktpreisen zu bewerten und die dadurch entstehende Reserve als zusätzlichen Bundesbankgewinn an die Staatskasse zur Schuldentilgung auszuzahlen. Sowohl der damalige Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer als auch ein öffentlicher Proteststurm, der Waigel in allen Gazetten des "Goldraubs" bezichtigte, vereitelte den Plan. Zur Stützung des Goldmarkt-Preises und zum Schutz vor begehrliche Finanzministern wurde im Herbst 1999 eine zusätzliche Sperre errichtet: 15 Notenbanken - darunter alle Euro-Länder - vereinbarten, dass die Nationen bis September 2004 jährlich nicht mehr als 400 Tonnen Gold verkaufen dürfen.

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