Bundesjugendballett bei Young Euro Classic : Was wir mit dem Herzen sehen

Das Bundesjugendballett greift mit "Ein kleiner Prinz" das Kunstmärchen von Saint-Exupéry bei Young Euro Classic auf. Der Star des Abend ist der Darsteller des Planetenreisenden selbst.

Lisa-Maria Röhling
Szene aus dem Stück des Bundesjugendballetts: Julius Winkelsträter als kleiner Prinz und Yohan Stegli als Pilot.
Szene aus dem Stück des Bundesjugendballetts: Julius Winkelsträter als kleiner Prinz und Yohan Stegli als Pilot.Foto: Melanie Couson

Ruhige Harmonien klingen durch den Raum. Die Musiker, die sonst ja an ihre Stühle gefesselt sind, bewegen sich kreuz und quer auf der Bühne, gehen auch gestisch beim Musizieren mit und erzeugen die Klänge so mit jeder Faser ihres Körpers. Die Bewegungen der Tänzer sind fließend und wirken träumerisch. In ihrer Mitte steht ein Prinz, Hand in Hand mit einem Piloten. Die beiden schauen in die Ferne und lassen so gewissermaßen die Welt der Erwachsenen hinter sich. Das passt doch unglaublich gut zu einem jungen Musikfestival! So übernimmt mit „Ein kleiner Prinz“ am zweiten Abend von Young Euro Classic das Tanztheater das Konzerthaus.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Dieses Zitat aus dem Roman von Antoine de Saint-Exupéry liegt der Inszenierung des Bundesjugendballetts zugrunde, die vom Ensemble der Lucerne Festival Alumni musikalisch untermalt wird. Unter der künstlerischen Leitung von Kevin Haige bringt das Bundesjugendballett eine Interpretation des Kunstmärchens auf die Bühne, die besonders durch ihre berührenden ruhigen Momente glänzt.

Neben dem kleinen Prinzen sind die Tänzer manchmal nur Staffage

Das ist zum einen dem hervorragend abgestimmten, achtköpfigen Ballettensemble zu verdanken, das die Romanthemen wie Eitelkeit, Macht und Demut mit einer erstaunlichen körperlichen Klarheit tänzerisch umsetzt. Keines der Motive, etwa die Begegnung mit der, von einer Tänzerin verkörperten roten Rose, wirkt gestellt oder steif, sondern sie transportieren mühelos den Zauber der literarischen Vorlage. Zum anderen überzeugt die brillante Musikuntermalung, die die Instrumentalisten von verschiedenen Orten der Bühne aus mit viel Hingabe und hoch konzentriertem Zusammenspiel erzeugen.

Der Star des Abends ist aber der kleine Prinz selbst. Mit einer großen Leichtigkeit spielt der 17 Jahre alte Julius Winkelsträter den Poesie begabten Planetenreisenden, schaut mit großen Augen durch den Saal und strahlt vor gespieltem kindlichem Staunen. Da wirken selbst die Tänzer manchmal nur wie Staffage.

Am Ende erklingt Edgar Elgars „Nimrod“ aus den Enigma-Variationen. Mit dieser ergreifenden Melodie wurde der Titelheld schon zu Beginn eingeführt. Vor einem leuchteten Sternenmeer breitet er die Arme aus, das Ensemble tut es ihm nach. Sie stehen als Silhouetten im heller werdenden Licht, die Bühne wird dunkel, die letzte Harmonie verklingt. Das mag kitschig wirken, aber das Herz findet viel zu sehen an diesem Abend.

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