Bundeskunsthalle : Erst Überfluss, dann überflüssig

Querelen an der Bonner Bundeskunsthalle: Was hinter dem erzwungenen Abgang des Intendanten Robert Fleck steckt.

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Als Professor „für Kunst und Öffentlichkeit“ lehrt Robert Fleck an der Kunstakademie Düsseldorf, das ist schon eine feine Pointe. Denn mit der (Fach-)Öffentlichkeit hat es sich der Noch-Intendant der Bundeskunsthalle, der Fleck im Hauptberuf ist, in den knapp vier Jahren seiner Amtsführung gründlich verdorben. Überraschend gab nun das Bonner Haus die Nicht-Verlängerung seines bis Ende 2013 gültigen Fünfjahresvertrages bekannt, was das Büro des Kulturstaatsministers schmallippig bestätigte.

Es muss hinter den Kulissen hoch hergegangen sein. Während eben noch das 20-jährige Bestehen der Bundeskunsthalle festlich begangen wurde, streuten Flecks Feinde Interna, die über gespickte Medien schnell in die Öffentlichkeit fanden. Der Hauptvorwurf: ein allzu beliebiges und gegenüber reichen Privatsammlern liebedienerisches Ausstellungsprogramm. Mit einer Ausstellung von Werken Anselm Kiefers, allesamt aus dem Besitz des Immobilienunternehmers Hans Grothe – „weltweit einmalig ist dieses größte Werkkonvolut in einer privaten Sammlung“ –, hat Fleck den Bogen überspannt. Ausgerechnet Grothe eine Bühne zu bieten, der für allerlei Skandale gesorgt hat, zumal in Bonn – darüber mochten nun auch die Langmütigsten nicht mehr peinlich berührt hinwegsehen.

„Ein Blick auf die von Fleck seit 2008 verantworteten Ausstellungen zeige, so die „FAZ“, „dass ihm Haltung, Richtung, Setzungswillen abgehen“. Und das einem Mann, der mit leisen Tönen und besten Manieren für sich einnimmt! Als früherer Kunstkritiker aber hätte er den Unmut ahnen müssen, den sein instinktloses Kiefer-Projekt bei den Kollegen hervorruft.

Nun ist die Bundeskunsthalle nicht irgendeine Ausstellungsinstitution in deutschen Landen. Das Haus an der Regierungsmeile in Bonn wurde mit seinem Pendant, dem Neubau des Kunstmuseums Bonn, 1992 eröffnet – ein Kind der Vorwendezeit, als Kanzler Kohl das als „Bundesdorf“ geschmähte Bonn zur vollgültigen Hauptstadt ausstaffieren wollte. Die Hauptstadt ging, die Kunsthalle blieb. Fürstlich mit Bundesgeldern ausgestattet – derzeit 16 Millionen Euro im Jahr –, konnten der renommierte Gründungsdirektor, der Schwede Pontus Hultén, und sein Adlatus und Nachfolger, Wenzel Jacob, aus dem Vollen schöpfen und die Kunsthalle zu einer international geschätzten Adresse hochjazzen. Jacob schöpfte allzu viel und stolperte über vertuschte Millionenlöcher im Betriebshaushalt. Danach kam Robert Fleck, der von derlei Usancen Unbefleckte.

Eine Kunsthalle besitzt keine Sammlung, daher muss sie mit Geld wettmachen, dass sie für Leihwünsche keine Gegengaben bieten kann. Also hat das Bonner Haus große kunsthistorische Ausstellungen schlichtweg eingekauft, etwa vom Vatikan. Unter Fleck wurde dieses auf blockbuster setzende Programm zum konturlosen Allerlei, das Privatsammlern wertsteigernde Auftritte gewährte.

Nun sitzt Fleck noch anderthalb Jahre als lame duck auf der Gehaltsliste. Und interpretiert das Zusammentreffen seines Abgangs mit der Kritik an der Kiefer-Schau als „seltsame Überschneidung“. Da mangelt es sichtlich an Format. Die Personalie verschleiert ohnehin nur, dass die Bundeskunsthalle überflüssig ist – jedenfalls in Bonn, wo die Kommune Haus und Personal übernehmen mag, wenn sie die Institution für notwendig erachtet. Die Bundesmittel aber sollten dort ausgegeben werden, wo sie dem Ansehen und der Selbstdarstellung der Bundesrepublik als Kulturstaat dienlich sind. Das muss nicht nur, muss aber auch der Berliner Martin-Gropius-Bau sein.

Der darf sich bislang glücklich schätzen, wenn er vom Bonner Haus Ausstellungen übernimmt – als Nachnutzer, weil eigene Mittel fehlen. Flecks ruhmloser Abgang ist der Auftakt zu einer längst fälligen Diskussion über diesen Bereich der Bundeskulturpolitik.

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