Kultur : Bundeswehr: "Wir sind stolz auf die Armee"

Können wir uns zugleich im Kosovo[in Mazedon]

Klaus Kinkel (64) war Außenminister und ist Präsidiumsmitglied und Vize-Fraktionschef der FDP.

Können wir uns zugleich im Kosovo, in Mazedonien und in Afghanistan engagieren?

Das wird sich dann zeigen, wenn wir wissen, in welchem Umfang. Es gibt gute Gründe, dass wir bei einer UN-Friedenstruppe dabei sind. Das muss möglich sein. Ich freue mich im Übrigen, dass Herr Schröder jetzt anbietet, was ich und die FDP längst gefordert haben.

Welche guten Gründe sind das denn?

Wir haben traditionell gute und enge Beziehungen zu Afghanistan. Das merken Sie daran, dass die 80 000 Afghanen hier auch eine innere Affinität zu Deutschland haben. Deshalb war es auch richtig, die Friedenskonferenz auf den Petersberg zu holen. Aber wir können nicht nur Gastgeber sein, wir müssen auch bei der tatsächlichen Bewältigung der Probleme mithelfen.

Sie müssten ja sauer sein, die Regierung betreibt Genscherismus ohne FDP. Nach dem Motto: Zurückhaltung ja, aber prinzipiell wollen wir mitspielen in der Weltpolitik?

Wieso sauer? Ist schon ok, wenn Rot-Grün feststellt, dass sich Kontinuität in der Außenpolitik lohnt. Übrigens hat mir das Wort Genscherismus nie gefallen. Es ist doch so: Wir sind ein großer und wichtiger Tanker auf dem Weltmeer, der sich nicht als kleines Beiboot wegdrücken kann. Es gibt berechtigte Forderungen an uns, und wir haben Interesse daran, diese Forderungen zu erfüllen, auch als Wirtschaftsmacht.

Wir sollen uneingeschränkt solidarisch sein: Ist Deutschland schon so weit oder ist der Kanzler zu schnell?

Schröder ist eher zu langsam. Das Gewürge der Koalition beschämt. Das hat er gemerkt und nun schneller reagiert. Der Skandal ist, dass er die Bundeswehr vernachlässigt hat und jetzt merkt, dass wir nicht wirtschaftlich und politisch Einfluss haben können ohne handlungsfähige Armee.

Werden die neuen Aufgaben die Bundeswehrreform beschleunigen?

Ja. Und das finde ich richtig. Falsch ist, wie die Bundeswehr von Rot-Grün behandelt wurde. Wir kommen jetzt an die Machbarkeitsgrenzen, und deshalb müssen wir sie entsprechend stützen und ausrüsten.

Trägt die Bundeswehr mit ihren Einsätzen zu einer neuen deutschen Identität bei?

Ganz bestimmt. Die Bundeswehr hat in ihren bisherigen Einsätzen in Bosnien, im Kosovo und den anderen Einsatzorten, Hervorragendes geleistet. Wir Deutschen sind zu Recht stolz auf die Bundeswehr und das nicht erst seit drei Jahren. Sie ist ein Positivfaktor für unser Image in der Welt. Das sieht mittlerweile die Mehrheit in Deutschland so, da bin ich mir sicher.

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