Kultur : Bunte Mischwesen bevölkern die Arche Noah

ELFI KREIS

Im März erhielt Walter Libuda den "Fred Thieler Preis für Malerei 1999".Keine Laudatio zur Preisverleihung im Lapidarium, die nicht Libudas "Fest der Farbe", "Dialog mit der Farbe" oder seine "intime, stumme Zwiesprache mit der Farbe" hervorgehoben hätte.Parallel zur kleinen Ausstellung in der zeitweiligen Dependance der Berlinischen Galerie zeigt die Galerie Tammen & Busch eine umfassende Werkschau vorwiegend neuer Arbeiten.

Neben großformatigen Ölgemälden (16 000 bis 43 000 Mark) und Zeichnungen (1500 bis 3300 Mark) stellt Tammen & Busch auch zahlreiche Keramiken (1800 bis 12 000 Mark) vor.Auch Libudas plastisches Schaffen macht eines deutlich: zu allererst ist er Maler.Seine Keramiken sind nicht weniger farbintensiv als die Bilder.Anfangs brennt er sie aus schwarzem Ton, anschließend werden die Plastiken kalt bemalt.Oft kommen hierfür gleichzeitig Engobe, Gouache, Pigment und Kasein zum Einsatz.

Noch leuchtender wird das Farbenspektrum durch glänzende Glasuren, die Libuda wiederum ausgesprochen malerisch verwendet.Auch die Keramiken scheinen letzlich nur einem Zweck zu dienen: weitere Malflächen zu gewinnen, um den Dialog mit der Farbe in einem anderen, großzügigeren, dreidimensionalen Raum fortzuführen, voranzutreiben.Wie Walter Libudas Bilder spiegeln seine Plastiken eine überbordende Fülle phantasiereicher Bildideen zwischen figürlich-gegenständlichen Andeutungen und leichtfüssiger, freischwebender Abstraktion.

Bei den Ölgemälden überlagert sich eine Vielzahl pastoser Farbschichten, ein Labyrinth verschachtelter Farbflächen und -linien, das sich im langwierigen Arbeits- und Klärungsprozeß festigt.Eine oft schrundige Oberflächenschicht läßt die Leinwand zuletzt wie hermetisch versiegelt wirken.Das Figurative ist dabei in den letzten Jahren immer stärker in den Hintergrund getreten, abstrakte Farbräume und Linienzeichen gewinnen an Gewicht.Die Bilder erscheinen in ihrer Komposition nun strenger und klarer strukturiert.

Anders bei den Tonplastiken.Als seien sie für den Künstler ein Ausgleich und Gelegenheit zu spielerischerem Tun.Hier wie dort aber begegnet man einem skurrilen Welttheater: Bühne für Metamorphosen zwischen abstrakt verzweigten Formgebilden, Architektur- und Landschaftsandeutungen, von Mensch, Tier und Maschine.Einige Tonplastiken erinnern an ein Schiff, an eine von bunten Mischwesen bevölkerte Arche Noah, um sich auf den zweiten Blick in die heiter verworrene Festung eines babylonischen Turmbaus zu verwandeln.Libudas Erfinderlust und Fabulierfreude schließt wortgewitzte und bisweilen lautmalerische Titel ein: "Zyklop zimperlich" und "Doppelt stehn, einfach sehn", "Matrosenschritt", "Kammschweller" oder "Kneifer".Der Wechsel zwischen zwei- und dreidimensionaler Sicht gibt neue Impulse, doch erwächst eins aus dem anderen.

Galerie Tammen & Busch, Fidicinstr.40, bis 2.Mai; Dienstag bis Freitag 13 bis 18 Uhr, Sonnabend 11-14 Uhr, Sonntag 15-18 Uhr.

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