Kultur : Bunte Steine

Dem Architekten Rob Krier zum 70.

Bernhard Schulz

„Die Rauchstraße ist populär. Ein bunter Baustein? Ja! Ein bunter Baustein“, schrieb Josef Paul Kleihues, der Leiter der „IBA-Neu“, der Neubaugebiete der Internationalen Bauausstellung von 1984/87, über das „Südliche Tiergartenviertel“. Der Rahmenplan für die Bebauung entlang der Rauchstraße stammt von Rob Krier, der auch das durch eine geschwungene Fassade zusammengehaltene Doppelhaus an der Stülerstraße entworfen hat. „Kleihues hat Rossi und mir Backstein verordnet“, merkte er dazu trocken an. Der Ur-Berliner Baustoff gewissermaßen: Von Krier stammt nicht zufällig ein Programmbau der IBA, der Wohnblock Ritterstraße mit dem von Neubauten eingerahmten Feilnerhaus von Karl Friedrich Schinkel.

Auch dieses 1983 fertiggestellte Projekt war einmal Ziel von Architekturtouristen. Heute ist die IBA Geschichte. An Rob Krier scheiden sich nicht mehr die Geister wie Ende der Achtziger und dann noch ein weiteres Mal, als er das Stadtviertel „Kirchsteigfeld“ am Rande Potsdams als erstes und größtes Neubauvorhaben in der Umgebung Berlins nach der Wiedervereinigung entwarf, immerhin eine gute Milliarde Mark an Investitionen schwer. Krier wurde als reaktionär beschimpft, beklagte er doch immer wieder, „dass auch soziale Probleme unserer Gegenwart durch den Verlust oder die Missachtung dieser Stadtbaukunst mit verursacht worden“ seien – ein unerhörter Vorwurf an die Avantgarde-Architektur des 20. Jahrhunderts, die doch stets die Lösung zumal aller sozialen Probleme für sich in Anspruch genommen hatte. Rob und sein jüngerer Bruder Léon Krier aus dem luxemburgischen Grevenmacher jedoch pochten stets auf den traditionellen Städtebau und machten aus ihrer Bewunderung für das gewachsene Handwerk des Bauens keinen Hehl.

Dabei hat Rob Krier bei Ungers und Frei Otto, zwei ausgewiesenen Vertretern der Moderne, gearbeitet, ehe er mit seinem Buch „Stadtraum in Theorie und Praxis“ 1975 zum Theoretiker der „Stadtreparatur“ wurde. Über zwanzig Jahre lang hatte er danach einen Lehrstuhl an der TU Wien inne, während sich seine städtebauliche Tätigkeit in die Niederlande verlagerte, wo seither eine ganze Reihe historisierender Stadtanlagen entstand. Die Kritik an seinen städtebaulichen Idealen ist leiser geworden. Dass seine Bauten nicht länger als touristische Attraktionen besichtigt, sondern ganz selbstverständlich bewohnt werden, ist für ihn wohl die größte Bestätigung. Heute feiert der streitbare Luxemburger seinen 70. Geburtstag. Bernhard Schulz

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