Burgtheater : Geht Hermann Beil als Interims-Chef ans Burgtheater?

Hermann Beil gilt als Favorit für die Nachfolge von Matthias Hartmann als Direktor des Wiener Burgtheaters. Der gebürtige Wiener war bis 1999 Co-Direktor von Claus Peymann am Burgtheater. Derzeit arbeitet er als Dramaturg und Regisseur am Berliner Ensemble.

Peter von Becker
Hermann Beil, 1941 in Wien geboren. Seit 1999 am Berliner Ensemble.
Hermann Beil, 1941 in Wien geboren. Seit 1999 am Berliner Ensemble.Foto: dpa

Das Wiener Burgtheater braucht eine neue Leitung, nachdem der bisherige Burg-Direktor Matthias Hartmann letzte Woche vom österreichischen Kulturminister Josef Ostermayer wegen des Verdachts finanzieller Unregelmäßigkeiten fristlos gekündigt worden war. Weil aussichtsreiche Kandidaten wie der Münchner Residenztheater-Intendant Martin Kušej oder die Zürcher Schauspielhausdirektorin Barbara Frey nicht unmittelbar zur Verfügung stehen und die Position erst ausgeschrieben werden muss, wird für voraussichtlich zwei Jahre ein Interimsdirektor gesucht.

Abgesagt hat für den Job bereits der vormalige Hamburger und Münchner Intendant Frank Baumbauer. Nach Tagesspiegel-Informationen gilt nun Hermann Beil, zur Zeit Dramaturg und Regisseur am Berliner Ensemble, als Favorit. Der 72-jährige gebürtige Wiener Hermann Beil kennt das Burgtheater als langjähriger Co-Direktor zur Amtszeit von Claus Peymann (bis 1999) und genießt im Ensemble sowie bei Technik und Verwaltung Ansehen und Sympathie. Auch Peymann, der zum Scherz öffentlich Harald Schmidt als Burgherrn vorgeschlagen hatte, soll Beil bereits zugeraten haben. Frühere Angebote, ein Theater allein zu leiten, hatte Beil, ein überaus bedachter Mann, stets abgelehnt. Neben Beil kursiert in Wien noch der Name von Karin Bergmann (61), die als Pressesprecherin und spätere Co-Direktorin an der Burg gleichfalls Erfahrungen mit dem größten Schauspielhaus Europas besitzt.

Am Montagmittag haben die Schauspieler des Burgtheaters auf einer Ensembleversammlung die Lage beraten. Kritisiert wurden Verschwendung und autoritärer Führungsstil von Hartmann, der seinerseits sein Gehalt von über 220 000 Euro pro Jahr noch bis 2019 einklagen will. Mit den an sich selbst gezahlten Regie-Gagen hatte Hartmann dieses Salär meist noch verdoppelt. Laut dem Wiener Nachrichtenmagazin „Profil“ soll Hartmann 2009 bereits vor Amtsantritt aus der Burgkasse 363 000 Euro in bar erhalten haben. Die Entscheidung über seine Nachfolge soll am Mittwoch im Aufsichtsrat der Burgtheater GmbH fallen.

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