Kultur : "Burgtheatergelöbnis" der Künstler

Ein spontanes "Burgtheatergelöbnis" zur Unterstützung der Regierungsgegner in Österreich hat der Philosoph Paul Levy am Sonnabend im Wiener Burgtheater angeregt. In einer Diskussion im Anschluss an die Großkundgebung auf dem Heldenplatz gegen die rechtskonservative Koalition schlossen sich unter anderem der französische Schauspieler Michel Piccoli, der Regisseur Luc Bondy und der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Michel Friedman, dem Vorschlag an. Die Opposition der Künstler will durch "physische Anwesenheit", durch Briefe, Faxe und andere Methoden auf sich aufmerksam machen.

"Das erste, was autoritäre Politik zu verändern versucht", sei "die Kultur im eigenen Land", warnte Friedman und rief alle Künstler dazu auf, die "Autoritäten 24 Stunden am Tag zu nerven". Luc Bondy berichtete, er sei bereits in einem Brief der FPÖ ermahnt worden, seine Aufgabe sei "nicht Politik, sondern gute Kunst zu machen". Nach Ansicht Bondys, des Schauspielchefs und künftigen Alleinintendanten der Wiener Festwochen, sind Haider und die FPÖ "tückischer" als etwa die französischen Rechtsextremisten. Sie verwandelten sich ständig "chamäleonartig" und seien daher schwer zu fassen.

Michel Piccoli betonte, der Protest richte sich allein gegen den "sehr gefährlichen Politiker" Haider und die "konservativen Verräter", die den Freiheitlichen die Regierungsbeteiligung ermöglicht hätten. Ein Boykott Österreichs sei "nicht intelligent", denn nun liege alles "in der Hand des österreichischen Volkes". Der Schauspieler, der als Unterstützer der französischen Kommunisten gilt, rief die Regierungsgegner auf: "Seien wir Widerstandskämpfer für die Zukunft". Als Vertreter der österreichischen Kulturschaffenden beteiligten sich unter anderen Klaus Maria Brandauer, H.C. Artmann, Marlene Streeruwitz und Erika Pluhar an den Protesten.

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