Kultur : Bush in Europa: Nicht im Verhältnis

Robert von Rimscha

Hehre Ziele schützen vor Widrigkeiten nicht. Viele Einrichtungen pflegen das transatlantische Verhältnis. Aspen-Institut und American Academy kümmern sich um Führungskräfte, Fulbright und Marshall Fund sorgen für Nachwuchs. Ein Klassiker unter den deutsch-amerikanischen Organisationen, die bis 2000 von Walther Leisler Kiep geführte Atlantik-Brücke, liegt im Clinch mit dem Auswärtigen Amt (AA). Es geht um das Erbe einer kleinen Einrichtung in New York.

Armonk-Institut heißt die Gründung von Bill Trosten und Theodore Ellenoff, einem Ex-Präsidenten des Jewish American Committee. Seit 1989 hat Armonk über 600 US-Lehrer aller Konfessionen nach Deutschland geschickt, um denen von KZs und Skins bis hin zu Techno-Parties und Multi-Kulti-Schulen die ganze Realitäts-Palette vorzuführen. Die jüdisch-amerikanische Einrichtung will verhindern, dass die Pädagogen, die alle "Holocaust-Studien" unterrichten, nur über Nazis reden, wenn sie über Deutschland lehren.

Feindliche Übernahme

Armonk-Gründer Trosten starb Anfang März. Nun schicken sich Nachlassverwalter und Atlantik-Brücke böse Briefe hin und her. Die Ellenoff-Erben würden Armonk gern fortführen - ohne die Atlantik-Brücke. Diese würde Armonk gern eingliedern - ohne die Ellenoffs. Die Atlantik-Brücke hat bereits den Zuschuss für den Youth-for-Understanding-Austausch übernommen und Armonk seit Jahren teilfinanziert.

Vom "Stil einer feindlichen Übernahme" sprechen Trostens Mitarbeiter. Offiziell teilt die Ellenoff-Familie mit: "Wir reflektieren und entscheiden über die richtige strategische Ausrichtung." In München sitzt ein unfreiwilliger Konkurrent der Atlantik-Brücke, Bridge of Understanding unter der Leitung von Dagmar Weiler. Sie holt jüdische Multiplikatoren aus den USA nach Deutschland. Die Mission deckt sich teilweise mit der von Armonk. "Ich will Armonk auf keinen Fall vollständig übernehmen; ich dränge mich nicht!", sagt Weiler. Die Entscheidung über das Erbe Trostens liege "allein in der Hand des AA". Denn von dem kommt viel Geld. Am 7. Juni flatterte der Atlantik-Brücke ein Schreiben aus dem Ministerium auf den Tisch, wonach das Goethe-Institut die Armonk-Arbeit erst einmal fortführt.

Eine andere Organisation, die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) wird seit 1998 von Immo Stabreit gelenkt, der als Botschafter in den USA Vorgänger des scheidenden Jürgen Chrobog war. Stabreit ist "Geschäftsführender Stellvertretender Präsident". Einer seiner Kritiker, DGAP-Präsident Ulrich Cartellieri, Frankfurter Groß-Bankier und zudem als CDU-Bundesschatzmeister der Nachfolger Kieps, hat die Zusammenarbeit mit Stabreit nun beendet. Der Nachfolger solle "bessere Management- und Integrationsfähigkeiten" mitbringen, heißt es aus der DGAP.

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