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C/O Berlin : Neuer Investor - alte Probleme für C/O Berlin

Das Postfuhramt in Mitte ist schon wieder verkauft worden. Die Zukunft der Galerie C/O Berlins bleibt damit weiterhin unklar.

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Baldiger Auszug.Der Mietvertag für C/O Berlin im Postfuhramt in der Oranienburger Straße läuft bis Ende Dezember.
Baldiger Auszug.Der Mietvertag für C/O Berlin im Postfuhramt in der Oranienburger Straße läuft bis Ende Dezember.Foto: dapd

Das Postfuhramt in Mitte hat einen neuen Besitzer: Mit dieser Information wollte der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Bauen, Wirtschaft und Ordnung, Carsten Spallek, am Donnerstagabend die Bezirksverordnetenversammlung überraschen - die wegen Protesten gegen die anstehenden Mauerpark-Beschlüsse jedoch abgebrochen wurde. Dem Vernehmen nach handelt es sich bei dem neuen Investor um den europäischen Hersteller von Medizintechnik, Biotronik, mit Hauptsitz in Berlin-Neukölln. Die Firma wollte dazu auf Nachfrage nicht Stellung nehmen.

Welche Pläne die neuen Inhaber mitbringen, ist ebenfalls noch nicht bekannt. Aber es gibt Gerüchte: Statt eines Hotels und einer Shoppingmall, wie von der bisherigen israelischen Investorengruppe Elad geplant, könnte das denkmalgeschützte Gebäude zur Firmenrepräsentanz werden. Ob dann noch Platz für C/O Berlin ist? Der Mietvertrag für die renommierte Kunsthalle für Fotografie, die bei der Eröffnung ihrer jüngsten Ausstellung über 4000 Besucher zählte, läuft Ende Dezember aus. Anschließend sollte C/O das Postfuhramt verlassen; Ausweichquartier sollten die leerstehenden Ateliers im Monbijoupark werden. Alles klar, hieß es im September 2011 kurz vor den Berliner Wahlen: Dem Direktor von C/O Berlin, Stefan Erfurt, wurden feierlich Schlüssel übergeben. Bis zum Umzug sollte er die Räume schon mal auf eigene Kosten heizen und notdürftig instandsetzen.

Inzwischen ist klar, dass aus Monbijou vorerst nichts wird. Im Bebauungsplan ist der Park in unmittelbarer Nachbarschaft des Postfuhramts als Grünfläche deklariert, auf der sich „de jure“ (Spallek) nichts befindet – auch wenn de facto die ehemaligen Ateliers der Kunsthochschule Weißensee dort stehen, in beklagenswerten Zustand. So lange der Bebauungsplan nicht geändert ist, darf niemand einziehen, auch nicht provisorisch.

C/O Berlin hat im Juni erste Pläne für einen Umbau oder alternativ einen Neubau vorgelegt. Ob der Stadtentwicklungsausschuss, der nächste Woche tagt und die Entwürfe anschauen wird, auch bereits Beschlüsse fassen kann, ist fraglich. Selbst dann, weiß Spallek aus Erfahrung, „dauert es mindestens ein Jahr“, bis das Baurecht erteilt wird – wenn es denn schnell geht.

C/O Berlin läuft die Zeit davon. Nach den Querelen mit Elad hatte man sich bislang auf das Versprechen eines neuen Standorts verlassen. Das Zentrum für Fotografie wollte allerdings nie umziehen, und bis heute sieht der Bebauungsplan des Postfuhramts neben einträglichem Gewerbe auch eine kulturelle Nutzung vor. Gescheitert waren die Verhandlungen über einen Verbleib in dem Gebäude an der Oranienburger Straße Ecke Tucholskystraße an den hohen Mietpreisforderungen von Elad: Als private Galerie finanziert sich C/O Berlin allein über Tickets und Veranstaltungen. Vielleicht lässt sich mit dem neuen Investor ja besser verhandeln. Vielleicht lässt er sich Zeit mit der Umgestaltung und verlängert den Mietvertrag. Vielleicht besinnt er sich auch darauf, dass erst C/O Berlin das Postfuhramt zur spektakulären Adresse gemacht hat, und gibt der Galerie am alten Ort eine neue Chance.

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