Kultur : Cabruêra: Eskalation im Tempodrom

Roman Rhode

Wie zwei Wetterfronten stehen sich die Band Cabruêra und das Publikum im Tempodrom gegenüber. Auf dem Asphalt rund ums Zelt: die Regenpfützen des arktischen Sommers. Auf der Bühne: Mangue-Beat aus dem tropischen Sumpfland bei Recife. Die Konfrontation löst einen Sturm der Begeisterung aus. Cabruêra sind die verwaisten Erben globaler Rockidiome und regionaler Stile wie Forró, Coco oder Maracatú. Stolz verkünden die sechs Absolventen der Universität von Paraíba einen ihrer Titel: "Im Galopp". Besser ließe sich die Musik, die keinen Stillstand erlaubt, nicht beschreiben. Ein Wirbelwind fegt über die Bühne und schlägt seine Bahn mitten durch die Reihen der Zuschauer. Jeder lässt sich freudig entwurzeln. Fiebrig zittert, flirrt das Akkordeon. Die Saiten von Bass und Gitarre zerspringen. Und die Percussion aus Trommeln, Triangel und Kuhglocken entlädt sich wie ein Platzregen auf Wellblechdächer. Dazu der Rap-Gesang, die rasante Performance der Band, die sich in einen Look aus weitem Tuch, Patchwork und Lederfransen hüllt: Neo-Hippies versuchen sich in Post-Punk, Embolada gerät zum Hard Cord. Cabruêra spielen keine Instrumente, sondern beschwören Dämonen. Und die wunderbaren Geister lassen nicht auf sich warten. Melodie, Harmonie - hier sind das raffinierte Versatzstücke, rebellische Soundpartikel, die der Wind über den Planeten trägt. Eine zersprengte Syntax, deren glühende Splitter in den Regenpfützen der Industriestädte verdampfen. Mit ihrem kollektiven Schlagabtausch proben Cabruêra den Aufstand der Provinz gegen die Metropole. Doch bevor die Band zum Jazz-Festival nach Montreaux weiterzieht, ist sie noch zu hören: heute und morgen um 21 Uhr 30, Sonntag um 16 Uhr im Tempodrom am Ostbahnhof.

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