Café M : Auf zwei Bier mit James Joyce

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Das Großartige an der diesjährigen Rowohlt-Buchmessenparty in Frankfurt ist, dass sich hier fast genauso viele Schriftsteller tummeln wie beim Suhrkamp-Kritikerempfang. Friedrich Christian Delius ist da, Uwe Timm (ein KiWi-Autor), Daniel Kehlmann, Albert Ostermaier (bei Suhrkamp), Katrin Passig, Sascha Lobo (ist der eigentlich Schriftsteller?) undundund. Auch Hanser-Autor Thomas Glavinic ist nicht zu übersehen, wie er mit seinem glatt rasierten Schädel an der Theke der Schirn steht. Sprechen kann man Glavinic gerade nicht, nur ankumpeln geht. Er haucht und sprechlautet: „Ich habe keine Stimme mehr!“

Noch großartiger an der Rowohlt-Messeparty ist, dass hier auch das Berliner Café M vertreten ist. Denn der Anzugtyp, der früher immer im M saß und Joyce las, nach dem dritten Flensburger aber damit aufhörte, einer von den typischen sogenannten M-People (wie der „Taxifahrer“, der „Skateboardfahrer“, Daniel Pflumm, „Tarn-Tanith“), dieser Anzugmann also ist auch Stammgast bei den Rowohlt-Messepartys. Und wie das unter M-People so ist: Nach den vielen Jahren, die man sich im M gesehen oder gegenübergesessen hat, ohne sich zu grüßen, geschweige denn sich zu unterhalten (waren halt alle coole Säue), kommt man nun doch mal ins Gespräch. Tatsächlich erzählt der aus Österreich stammende Mann, der immer noch so jugendlich wirkt wie einst, dass er erst 1991 nach Berlin gekommen sei, für die großen M-Zeiten also viel zu spät. Und das Café M sei halt nicht weit von seiner Wohnung gewesen.

Er erzählt das alles ziemlich nüchtern, viel zu verbinden schien ihn damals nicht mit dem Laden und heute erst recht nicht. Was allerdings, wenn man dieser Tage nachmittags vorbeischaut, auch kein Wunder ist: so viel Trübnis, so viel trauriges Slackertum, so viele bunte Bilder an den Wänden, so eine fiese schwarze Sofagruppe. Vielleicht spielt einem ja nur die Erinnerung einen Streich, vielleicht war es in den achtziger und neunziger Jahren zu bestimmten Tageszeiten nicht anders. Als ich bei Rowohlt David Wagner, ebenfalls ein alter M-Gänger, von meiner Begegnung erzähle, weiß er sofort Bescheid: „Den habe ich auch immer gesehen“. Ach ja, das Café M, those were the days – in der Erinnerung wird es so schön, wie es in der Wirklichkeit vermutlich nie war.

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