Kultur : Campari futur

ULRICH AMLING

Kennen Sie Fortunato Depero? Sollten Sie, meint die Compagnia Elettra de Salvo.Dem "verrücktesten der italienischen Futuristen" widmete die deutsch-italienische Truppe eine Performance in den Sophiensälen.Titel: "Omicidi acrobatici" (Akrobatische Morde).Zumindest Morde gibt es en masse: Wie fast alle Futuristen Italiens wollte auch Depero "das Universum neu erschaffen und mit Freude füllen".Schnell sollte das gehen im Zeitalter der Geschwindigkeit, in Marschrichtung, mit Macht und dem Duce.Deshalb spielt eine Pistole die tragende Rolle bei "Omicidi acrobatici", und irgendwie gerät sie immer zwischen Frau und Mann.Scheinbar hat die futuristische Bewegung bei ihrer Neuerschaffung der Welt den alten Krieg der Geschlechter übersehen.Auch so etwas wie Eifersucht wurde nicht liquidiert: Auf die quadratische Spielfläche stürmt eine Frau (Elettra de Salvo) in Unterwäsche; einen Strumpf hat sie verloren, ihr rotes Kleid drückt sie angstvoll an die Brust.Der Verfolger (Anton Reza) ist ganz in schwarz gekleidet, hat eine Melone auf dem Kopf, die Pistole in der Hand und riesige weiße Klötze unter den Füßen.Es knallt von schweren Tritten und Schüssen.Die Frau schreit.So geht das eine Weile.Drei Musiker mit prallen Lungen dürfen dazu in ihre Instrumente stoßen.Später jagen auch sie die Frau, bis das Waldhorn-Signal "Fuchs tot" ertönt - aber das Treiben geht weiter.Die Frau ist gar nicht tot, sie darf im nächsten Bild mit dem Mann eine futuristische Beziehung durchleben.Das Geturne an einem blauen Tisch scheitert wenig spektakulär, doch mitten im Treiben stören die Musiker und werden, genau!, erschossen.Doch - wie befürchtet -, auch sie sind nicht wirklich tot.Mit unangenehmen Folgen: Die Drei schlagen auf Metallteile ein, daß die Funken stieben und das Trommelfell zerspringen möchte.Drei interessante Details seien nicht verschwiegen: Anton Reza hat einen schönen Auftritt als stolzer Hahn, bis ihn ein Beil niederstreckt.Elettra de Salvo ist ehrenamtliche Stadträtin in Frankfurt.Und auch in der Hölle gibt es Musiker, sie tragen dort Latexschürzen.Was wissen wir nun über Fortunato Depero? Im Programm steht, er hat mal Reklame für Campari gemacht, deshalb tritt die Marke jetzt als Sponsor der Performance auf.Sie titelt: Campari und Depero - Klassisch, modern, genial.Ich habe Bier getrunken.Und den Rest vergessen.

Weitere Vorstellungen heute, sowie am 21.und 22."9., 21 Uhr, Sophiensäle

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