Kultur : Canaletto gegen Canaletto

Erfolgreiche Altmeisterauktionen in London

Matthias Thibaut

Ungeachtet des Terroranschlags wurde die Londoner Auktionswoche fortgeführt. Die Kauflust war nicht im geringsten getrübt, als Sotheby’s am Donnerstagabend eines der besten Altmeisterangebote seit langem versteigerte. Auch ohne einen Rubens, der 2002 für einen Rekorderlös sorgte, wurde ein Umsatz von 44 Millionen Pfund eingespielt, der beweist, dass auch für Kunst des 14. bis 18. Jahrhunderts Millionen ausgegeben werden.

Sotheby’s konnte die Londoner Schlacht der beiden Canalettos für sich entscheiden: Die „Grand Canal Vedute vom Palazzo Balbi“, ein 140 Zentimeter breites Gemälde, wurde zum Rekordpreis von umgerechnet 27,4 Millionen Euro einem Telefonbieter zugeschlagen. Das Gemälde verkörpert nicht nur beispielhaft die Kunst Canalettos, sondern gehörte zudem einst Großbritanniens erstem Premierminister Robert Walpole und hing in der Downing Street 10. Rekorde gab es darüber hinaus für ein Gemälde von Jacob van Ruisdael, eine Venedig-Ansicht von Carlevarijs und eine „Maria Lactans“ von Martin Schongauer, die 1,3 Millionen Euro kostete.

Christie’s hatte am Abend zuvor einen von der Forschung lange übersehenen, späteren und untypischeren Canaletto versteigert: das Hochformat mit der Dogenbarke Bucintoro an der Mole, zu Beginn der Himmelfahrtsprozession, bei der sich die Stadt Venedig dem Meer vermählte. Auch hier wurde über zehn Minuten lang gefochten – der Zuschlag erfolgte bei 16,87 Millionen Euro. Dieser Canaletto stammte aus dem Nachlass des portugiesischen Bankiers Antonio de Sommer Champalimaud. Insgesamt erbrachte das Angebot an Gemälden, Möbeln und Porzellan 57 Millionen Euro. Spitzenpreise erzielten bei Christie’s auch italienische Bronzen: Eine von Antonio Susini um 1600 gefertigte Darstellung des Nessus, der die Deinaria raubt, vervierfachte seinen Schätzpreis auf 3,4 Millionen Euro.

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