Kultur : Cannes 2001: Ende mit Shrek

Ein bisschen demütigend ist das schon. Da läuft in Cannes erstmals ein Animationsfilm im Wettbewerb, "Shrek" heißt er, entstanden unter der Regie des bisher nicht eben weltberühmten Paares Victoria Jenson und Andrew Adamson - und das Menschlichste, was sich über dieses satirische Monstermärchen aus dem Hause Dreamworks sagen lässt, ist, dass Schauspieler einer gewissen Kategorie - Eddie Murphy, Cameron Diaz und Mike Myers etwa - den total digital hergestellten Figuren ihre wertvollen Stimmen leihen. Der deutsche Film dagegen, und zwar nicht nur der verdiente deutsche Animationsfilm, ist im Wettbewerb des weltedelsten Festivals nun bereits im achten Jahr nicht vertreten. Skandal!

Nun klagen sie wieder, die deutschen Filmemacher und Filmeverkäufer, zumal der deutsche Film gerade wieder schöne Erfolge auf dem Binnenmarkt feiert - aber klagen sie zu Recht? Welche wirklich großen Filme sind denn in Deutschland in diesen Jahren gemacht worden, Filme, die "der ganzen Welt etwas zu sagen haben", wie der neue künstlerische Leiter des Festivals, Thierry Frémeaux, soeben im "Spiegel" betont? Gewiss mag es sie im Einzelfall geben, Filme, die jene übergeordnete "Triftigkeit", jenen "unverwechselbaren Stil" aufzubieten haben, wie ihn der junge Programm-Macher, lange Jahre verantwortlich für die Kinemathek in Lyon, für Cannes verlangt. Aber, Hand aufs Herz, stünde man auch nur in kleiner Gruppe zusammen, man würde sich wohl kaum auf einen gemeinsamen Titel einigen können.

Trost aber gibt es. Nicht nur, weil abseits der eben zwei Dutzend Besten aus der Weltfilmproduktion, die in die Königsdisziplin Wettbewerb vorstoßen, das Festival durchaus bei deutschen Filmen fündig wurde - wenn auch auf den Nebenfeldern, den Koproduktionen, den Kurz- und bereits anderweitig prämierten Filmen. Und ist es nicht mindestens Balsam auf die deutsche Seele, wenn Cannes "Die innere Sicherheit", einen sehr deutschen, keineswegs provinziellen, aber tief introvertierten Film als "Entdeckung des Jahres" feiert? Auch bedeutet eine Präsentation in Cannes allein noch kein Wunder: Letztes Jahr ging dort ein ebenso verschlossener, ebenso kraftvoller, in Deutschland ausgezeichneter Film unter - Oskar Roehlers "Die Unberührbare" mochte in der Cannes-Nebenreihe "Quinzaine" kaum jemand sehen. Und worüber beschwert sich die deutsche Filmwirtschaft denn überhaupt, wenn sie etwa zur Berlinale als "deutsche" Beiträge nur Welt-Patchwork wie "Enemy at the Gates" und einen halbgaren Studentenfilm wie "My Sweet Home" aufbietet - und der einzige ernst zu nehmende Anwärter, Oliver Hirschbiegel mit dem "Experiment", kneift?

Die Berlinale ist das Forum, auf dem sich der deutsche Film zuerst bewähren muss. Es hierzu auszubauen, gehört auch zum Job der neuen Köpfe dieses Festivals. Die Berlinale muss den deutschen Film fördern - aber auch herausfordern. Jammern kann man später immer noch.

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