Caroline Link : Wer wir sind

Die Regisseurin über ihren Oscar, über Familie und Tod.

Caroline Link
Caroline Link. -Foto: dpa

Der Film war erst als US-Projekt geplant ...

... aber die Geldgeber wollten den Maler unbedingt mit einem Top-Star besetzen. Es gab ein positives Feedback, nur unterschrieben hat niemand. Nach diesem unglaublich zähen Prozess habe ich gesagt: Jetzt mache ich es in Deutschland.

Wie wirkte der Oscar-Erfolg auf Sie?

Baby und Oscar im gleichen Jahr zu bekommen, das war schon komisch. Ich wollte erst zwei Jahre zu Hause bleiben, aber auch einen großen Film drehen. Diese Gunst der Stunde nutzen zu müssen, hat mich wahnsinnig gestresst.

„Im Winter ein Jahr“ beruht auf dem Roman-Manuskript „Aftermath“ von Scott Campbell. Wie unterscheiden sich die Figuren der Vorlage von Ihren Charakteren?

Vor allem für Josef Bierbichler habe ich die Rolle umgeschrieben. Im Roman ist der Maler 44 und homosexuell. Bei Bierbichler dachte ich, dass er gut eine Spannung zu dem Mädchen aufbauen kann, ohne dass dies unangenehm sexy wird.

Wieder geht es Ihnen um das Thema Familie: eine Obsession?

Wir sind, wie wir sind, weil wir kommen, woher wir kommen. Die Familie ist Fluch und Segen. Lange Zeit hat mich Kindheit interessiert, aber inzwischen ist mir das als Filmthema weniger wichtig. Mit der selbstbewussten, empfindsamen jungen Frau kann ich mich gut identifizieren.

Der familiäre Umgang mit Trauer und Verlust war im US-Kino zuletzt oft Thema.

Mein Zugang kam mehr aus dem eigenen Erleben. Kurz nach der Geburt ist meine Tochter sehr schwer erkrankt, dann starb mein Vater: Dieses Ereignis war so erschütternd, dass ich heute nicht mehr so versöhnlich in die Welt blicke.

Interview: Martin Schwickert

Caroline Link, 44, gewann mit ihrem dritten Spielfilm „Nirgendwo in Afrika“ 2003 den Auslands-Oscar. Weitere Werke: „Jenseits der Stille“ (1996), „Pünktchen und Anton“ (1999).

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