• Castor-Transport: Deutschland ist der größte Kunde - Zahlen und Fakten zum Atommülltransport

Kultur : Castor-Transport: Deutschland ist der größte Kunde - Zahlen und Fakten zum Atommülltransport

Der in La Hague gestartete Castor-Atommülltransport ist der erste in das niedersächsische Zwischenlager Gorleben seit 1997 und zugleich der erste unter der rot-grünen Bundesregierung. Im Folgenden wichtige Zahlen und Fakten:

Castor und Glaskokillen: Castor ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "cask for storage and transport of radioactive material". Aus La Hague werden nun sechs Atommüll-Behälter vom Typ Castor HAW 28/20 CG auf Waggons nach Gorleben gebracht. In jedem Castor befinden sich 28 so genannte Glaskokillen, die hochradioaktive Spaltprodukte abgebrannter Brennelemente enthalten. Die Spaltprodukte werden bei 1100 Grad Hitze mit Glas verschmolzen und in rund 1 Meter 30 hohen Stahlzylindern versiegelt. Jede dieser Glaskokillen wiegt etwas mehr als eine halbe Tonne. In den sechs Castoren werden also rund 85 Tonnen Atommüll transportiert.

Wiederaufbereitung: Laut Atomgesetz müssen die Akw-Betreiber den Entsorgungsnachweis erbringen, was seit 1994 auch mit der Wiederaufarbeitung erfolgen kann. Das Verfahren, bei dem der Kernbrennstoff teils wiederverwertet wird, wird in den Anlagen La Hague und Sellafield angewandt. Der Atomkonsens zwischen der Bundesregierung und den Energiekonzernen erlaubt die Wiederaufarbeitung noch 2005.

Cogema: Deutschland ist mit Abstand der größte Auslandskunde der staatlichen La-Hague-Betreiberfirma Cogema. Bisher wurden aus deutschen Atomkraftwerken mehr als 4300 Tonnen abgebrannter Brennelemente in die Normandie gebracht; bis 2005 sollen weitere mindestens tausend Tonnen folgen. Grundlage für die deutsch-französische Atomzusammenarbeit sind Verträge, welche die deutschen Elektrizitätsunternehmen in den 70er Jahren mit der Cogema abgeschlossen haben. Sie besagen, dass die Endprodukte wieder zurückgenommen werden müssen.

Streit zwischen Paris und Berlin: Der Castor-Transport vom Montag ist der bisher größte Rücktransport aus La Hague nach Deutschland und zugleich Startschuss für neue Fahrten in die Gegenrichtung. 1996 und 1997 wurden insgesamt drei Castoren von Frankreich nach Gorleben gebracht. Nach derzeitigem Stand muss Deutschland jedoch noch 127 Castoren aus La Hague und 39 aus Sellafield zurücknehmen. 1998 hatte die damalige Bundesregierung nach einem Strahlenskandal ein Transportverbot erlassen. Frankreich hatte sich später geweigert, weiteren Atommüll entgegenzunehmen, solange Deutschland nicht wieder die Rücktransporte zulässt. Ende Januar legten beide Seiten ihren Atomstreit bei und steckten den Zeitplan für die neuen Transporte ab.

Zwischenlager Gorleben: Seit 1984 ist das Zwischenlager in der niedersächsischen Gemeinde in Betrieb. Wegen der massiven Proteste wurden aber erst 1995 die ersten Castor-Behälter aus dem Akw Philippsburg eingelagert. Die Castor-Transporte 1996 und 1997 lösten erneut Massenproteste aus. Die Kapazitäten des Zwischenlagers sind zu 40 Prozent ausgefüllt. Neben Gorleben und Ahaus besteht noch Bedarf für weitere Zwischenlager sowie für ein Endlager, das es bisher weder in Deutschland noch sonstwo auf der Welt gibt.

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